Nahost-Konflikt

Israel stimmt fünfstündiger Feuerpause zu

Aus „humanitären“ Gründen werden Angriffe im Palästinensergebiet für kurze Zeit ausgesetzt

Die israelische Armee hat einer UN-Initiative für eine befristete Waffenruhe im Gazastreifen an diesem Donnerstag zugestimmt. Die Feuerpause aus humanitären Gründen soll um 10 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) beginnen und fünf Stunden dauern. Man werde aber „hart und entschieden“ zurückschlagen, sollten in dieser Zeit Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen werden. Der Stopp der Luftangriffe soll dazu dienen, Essen, Wasser und andere Hilfsgüter an die Bewohner des Gazastreifens zu liefern.

Zuvor hatte die israelische Armee 100.000 Palästinenser zur Flucht aus ihren Häusern aufgerufen. „Die Evakuierung ist zu Ihrer eigenen Sicherheit“, hieß es in Flugblättern. Während das israelische Sicherheitskabinett am Mittwoch den Start einer begrenzten Bodenoffensive diskutierte, wollte sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Kairo und Ankara um die Vermittlung eines Waffenstillstands bemühen.

Die Bewohner von Schujaja, Seitun und Beit Lahija im Gazastreifen seien aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen, erläuterte die israelische Armee. Einwohner dieser drei Orte im Norden des Küstengebiets bestätigten, sie hätten von der Armee entsprechende Anrufe und Kurzmitteilungen erhalten. Zudem wurden Flugblätter über Seitun und anderen Orten abgeworfen, in denen vor „Luftangriffen auf Terrororte“ gewarnt wurde, von denen aus Raketen auf Israel abgefeuert wurden.

Bereits am Wochenende waren die Einwohner von Beit Lahija aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Daraufhin hatten 17.000 Menschen Zuflucht in UN-Einrichtungen und an anderen Orten gesucht. Am Mittwoch waren zunächst keine neuen größeren Fluchtbewegungen festzustellen, wie Korrespondenten berichteten.

Minister in Sicherheit gebracht

Am Dienstag waren Bemühungen Ägyptens um eine Waffenruhe am Widerstand der radikalislamischen Hamas zunächst gescheitert. Am Mittwoch starben je drei Männer bei Luftangriffen auf Häuser in den Städten Rafah und Chan Junis, beide im Süden gelegen. Mittags wurde dann aus einem Kampfflugzeug eine gezielte Rakete auf ein Privatfahrzeug abgefeuert. Die drei Insassen wurden getötet. Am Strand der Stadt Gaza wurden vier Kinder getötet.

In Israel wurde durch Beschuss aus dem Gazastreifen am Dienstag erstmals ein Mann getötet. Ihn traf eine Granate, als er nahe des Grenzübergangs Erez Essen an Soldaten auslieferte. Insgesamt feuerten radikale Palästinensergruppen in acht Tagen über 1200 Raketen und Mörsergranaten auf Israel, von denen 20 Prozent abgefangen wurden und fast alle anderen unbewohnte Gebiete trafen.

Der norwegische Außenminister Børge Brende wurde bei einem Besuch vor einem Raketenangriff in Sicherheit gebracht. Brende hatte am Mittwoch zusammen mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman in der Stadt Aschkelon zu Mittag gegessen, als in der Nähe des Restaurants mehrere Raketen einschlugen. Die beiden Politiker wurden in einen Sicherheitsraum gebracht. Der Norweger war nach Israel gereist, um im Konflikt zu vermitteln.

Nach Angaben des Militärradios beschloss das israelische Sicherheitskabinett in der Nacht zum Mittwoch, auch das Tunnelnetzwerk zu zerstören, das von der Hamas und dem Islamischen Dschihad für Lagerung, Transport und Abschuss der Raketen genutzt wird. Dabei sei auch die Option eines begrenzten Einmarsches mit Bodenverbänden diskutiert worden, die zunächst kein Vorrücken in Wohngebiete erfordern würde.Frankreich schlug eine europäische Unterstützungsmission an den Übergängen zwischen dem Gazastreifen und Israel vor, um den Konflikt zu entschärfen. Außenminister Laurent Fabius sagte dem Radiosender France Culture, Europa sei bereit, „etwas zu tun, insbesondere über die sogenannte Eubam, das heißt Kräfte, die die Übergänge zwischen Gaza und Israel kontrollieren könnten“. Die arabischen Länder hätten ihre Unterstützung deutlich gemacht, nun müssten noch die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats zustimmen. Palästinenserpräsident Abbas soll am Donnerstag auch den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Kairo treffen. Am Freitag will er seine Bemühungen um eine rasche Feuerpause, bei deren Vermittlung Ägypten und die Türkei helfen könnten, in Ankara fortsetzen.

Deutsche für Zurückhaltung

Die Deutschen wünschen sich im Nahost-Konflikt Zurückhaltung der Bundesregierung. Eine überwiegende Mehrheit der Bundesbürger von 86 Prozent ist der Meinung, Deutschland solle sich öffentlich nicht klar hinter Israel stellen. Das ergab eine jetzt veröffentlichte repräsentative Forsa-Umfrage für das Magazin „Stern“. Die Hauptverantwortung für die Gewalt sehen die Befragten nahezu in gleichem Maße bei Israel wie bei der Hamas.