EU

Spitzzüngiger Europa-Dinosaurier auf der Zielgeraden

Juncker erwarten schwierige Aufgaben in der Kommission

Jean-Claude Juncker ist auf der Zielgeraden: Nach seiner Nominierung zum Präsidenten der EU-Kommission durch die Staats- und Regierungschefs der EU muss der Christdemokrat nun noch die Zustimmung des Europaparlaments erhalten. Das Votum ist am Dienstag geplant – und es gilt als sicher, dass eine Mehrheit der Abgeordneten für die Ernennung des ehemaligen luxemburgischen Regierungschefs an die Spitze der Brüsseler Behörde stimmen wird.

Schließlich kann Juncker nicht nur auf die Unterstützung der konservativen Abgeordneten von der Europäischen Volkspartei zählen, die ihn als ihren Spitzenkandidaten in die Europawahl geschickt hatte. Auch bei den Sozialdemokraten, der zweitstärkste Fraktion nach der EVP, war das Echo nach einer Anhörung des Luxemburgers im Parlament in der vergangenen Woche positiv. Außerdem dürfte ein Teil der Liberalen und Grünen für die Ernennung Junckers stimmen.

Der Christdemokrat gilt als ausgefuchster Europa-Dinosaurier: In seinen 19 Jahren als Regierungschef trug der mit einer spitzen Zunge ausgestattete Politiker so manchen Kampf aus und übte deutliche Kritik an den großen EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, wie es sich wohl nur ein Vertreter aus einem Kleinstaat wie Luxemburg erlauben kann. Aber der fließend Deutsch, Französisch und Englisch sprechende Juncker war es auch, der nicht selten zwischen seinen Kollegen in den Brüsseler Gipfelnächten vermittelte.

Doch nachdem der langjährige Eurogruppenchef 2013 ausgelaugt von den endlosen Notsitzungen der Schuldenkrise freiwillig die Führung des wichtigsten Gremiums der Währungsunion abgab, erlebte der „Mr. Euro“ getaufte Juncker in seiner Heimat einen ungewollten Karriereknick: Wohl zu seiner eigenen Überraschung stürzte der selbstbewusste Regierungschef über eine Geheimdienstaffäre, musste sich vorgezogenen Neuwahlen stellen und verlor sein Amt. Der Jurist, der sein ganzes Leben Politiker war, stand plötzlich ohne Posten da – von einem Sitz auf der kleinen Luxemburger Oppositionsbank einmal abgesehen.

Sein ärgster Widersacher war bis zuletzt der britische Premier David Cameron, der Juncker die Fähigkeit absprach, die EU angesichts gewachsener Europaskepsis zu erneuern. Angeheizt von dem giftigen Widerstand Camerons schoss sich zudem die britische Presse auf den Luxemburger ein.

Wie er alle Wünsche unter einen Hut bringen will, bleibt nach Ansicht vieler Abgeordneter unklar. Hinzu kommen die Debatte über das Maß, in dem sich die EU in nationale Belange einmischen soll. Nun muss Juncker seinen Kritikern zeigen, dass er der Richtige für diese Herausforderungen ist.