Krise

Grenzzwischenfall verschärft die Ukraine-Krise

Toter auf russischer Seite. Moskau droht mit Konsequenz

Bei Luftschlägen und schwerem Artilleriebeschuss durch das ukrainische Militär kommen im Konfliktgebiet Donezk und Lugansk immer mehr Menschen zu Tode. Erstmals starb nach Moskauer Behördenangaben am Sonntag auch ein Mann auf russischem Gebiet durch ein Geschoss von ukrainischer Seite. Das russische Außenministerium protestierte gegen die Verletzung seines Territoriums und drohte der Regierung in Kiew mit Konsequenzen. Das ukrainische Militär wies eine Schuld zurück. Kremlchef Wladimir Putin dürfte den Zwischenfall bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft ansprechen. Bei dem Gespräch soll es vor allem um den Krieg in der Ostukraine gehen.

Die ukrainische Luftwaffe sowie Panzerkolonnen setzten ihre Offensive gegen Separatistenstellungen in Lugansk und Donezk fort. Die offiziellen Militärangaben aus Kiew schwankten stark – zwischen Dutzenden und bis zu 1000 getöteten Aufständischen. Die Zahl der getöteten Soldaten wurde mit sieben angegeben. Behörden in Donezk und Lugansk sprachen außerdem von zahlreichen getöteten Zivilisten. Unabhängige Zahlen gab es nicht.

Es sei viel Kampftechnik der „Terroristen“ zerstört worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Allein bei zwei der insgesamt fünf gezielten Luftschläge seien bis zu 40 Separatisten getötet worden, hieß es am Sonntag. Für die übrigen Angriffe nannte das Ministerium zunächst keine Opferzahlen. Der Sprecher der von Kiew geführten „Anti-Terror-Operation“, Wladislaw Selesnjow, hatte am Samstag behauptet, bei den Luftschlägen in den Regionen Donezk und Lugansk seien rund 1000 Separatisten getötet worden, davon allein 500 in Dserschinsk nahe Donezk. Auch andere Militärsprecher wiederholten die Zahl. Die Separatisten wiesen dies zurück.

Russland protestierte am Wochenende mehrfach gegen den Beschuss seines Staatsgebiets. Ein 45 Jahre alter Mann sei beim Einschlag eines Munitionskörpers am Sonntag in seinem Haus im Gebiet Rostow getötet worden, teilte der Sprecher der Nationalen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, mit. Zudem sei eine Frau in dem Haus durch die Druckwelle des Geschosses verletzt worden.

Moskaus Vize-Außenminister Grigori Karassin kritisierte im Fernsehsender Rossija 24 die neuerliche Grenzverletzung und kündigte eine Antwort an. Die eskalierende Gewalt sei eine „Gefahr für unsere Bürger nun auch auf unserem Territorium. Es ist klar, dass das nicht ohne Reaktion bleiben wird“, sagte Karassin. Der Vorfall zeige, dass dringend eine neue Waffenruhe sowie die Rückkehr zum Verhandlungstisch nötig seien.