Konflikt

Trotz Waffenruhe Gefechte im Osten der Ukraine

Russland setzt Truppen in volle Gefechtsbereitschaft

Im Osten der Ukraine sind ungeachtet der von der Regierung ausgerufenen einseitigen Waffenruhe neue Kämpfe zwischen der Armee und den prorussischen Separatisten ausgebrochen. Beide Seiten warfen sich am Sonnabend gegenseitig vor, sich nicht an die vom neuen Präsidenten Petro Poroschenko erklärten einwöchige Feuerpause zu halten. Russland versetzte zudem ungeachtet der Appelle westlicher Staaten zur Deeskalation seine Truppen in Zentralrussland in volle Gefechtsbereitschaft und kündigte ein einwöchiges Manöver an. Die ukrainische Regierung sprach auch von einer weiteren Verstärkung der russischen Truppen an der gemeinsamen Grenze.

Ein Armeesprecher erklärte in Kiew, zwei Posten an der Grenze zu Russland seien von Heckenschützen und mit Granatwerfern angegriffen worden. Dabei seien neun Soldaten verletzt worden. Im Landesinneren seien weitere zwei Posten mit Maschinengewehren sowie Granatwerfern beschossen worden. Auch im Umland der Separatistenhochburg Slawjansk versuchten die Rebellen, einen von der Armee gehaltenen Hügel zu stürmen.

„Verbotene Mittel und Methoden“

Die Rebellen warfen dagegen der Regierung vor, sich nicht an ihren Waffenstillstand zu halten. „Ich habe mit unserem Kommandeur Igor Strelkow gesprochen, und er sagte, die Kämpfe wurden am Morgen fortgesetzt“, sagte der Rebellenführer Pawel Gubarew dem russischen TV-Sender Rossiya-24. Entweder würden die Truppen dem Präsidenten nicht Folge leisten oder Poroschenko lüge. Der Regierungschef der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai, warf der Regierung in Kiew vor, ihre Offensive unvermindert fortzusetzen. Vor Journalisten rief er Russland auf, Truppen zu entsenden.

Die Regierung in Kiew fürchtet, dass russisches Militär in die Kämpfe eingreifen könnte. „Die anhaltende Konzentration russischen Militärs und die erhöhten Aktivitäten nahe der Grenze zur Ukraine sind Anlass zu großer Sorge“, erklärte das ukrainische Außenministerium. Zudem gebe es viele Beweise, dass die Rebellen von Russland aus mit Waffen und militärischem Material versorgt würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier riefen Regierung wie Separatisten dazu auf, die Waffenruhe einzuhalten.

Russland schrieb unterdessen den ukrainischen Innenminister Arsen Awakow und den Gouverneur von Dnjepropetrowsk, Igor Kolomojski, wegen Mordes zur internationalen Fahndung aus. Den beiden Politikern werde vorgeworfen, bei der Kriegsführung in der Ostukraine „verbotene Mittel und Methoden“ eingesetzt zu haben, teilte der Sprecher der obersten russischen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, mit. Der Minister und der Oligarch Kolomojski, der als Geldgeber der „Anti-Terror-Operation“ im Osten der Ukraine gilt, stünden auch im Verdacht, an der Verschleppung und Ermordung von russischen Kriegsreportern beteiligt gewesen zu sein.