Monarchie

„Es lebe der König“

Mit dem WM-Titel wurde es nichts, dafür hat Spanien einen neuen Monarchen: Felipe VI.

„Viva el Rey“. Es lebe der König. Mit diesem Ruf begrüßten Tausende von Madridern am Donnerstag um 12.42 Uhr den neuen König Felipe VI. und seine Frau Letizia, als das Paar nebst beiden Töchtern auf den Balkon des Königspalastes an der Madrider Plaza de Oriente trat, um die Menge zu begrüßen. Man dachte, das sei der Höhepunkt des Krönungszeremoniells, doch dann traten Juan Carlos und Doña Sofia hinzu und der Jubel erschallte einen Moment lang noch lauter. „Que se besen“, küsst euch, rief die Menge und Felipe VI. leistete prompt Folge und umarmte seine Gattin liebevoll.

Begeisterte Spanier

Nach vier Minuten verabschiedete sich das Paar winkend, die schweren Balkontüren schlossen sich, die Fiesta fürs Volk war vorbei. „Es hat sich gelohnt, Letiza war mit ihrem weißen Kleid noch eleganter und hinreißender als bei ihrer Hochzeit vor zehn Jahren“, so Cristina Rio (52), die fünf Stunden vor dem Palast auf genau diesen Moment gewartet hatte. „Was für ein schöner König“, rief eine argentinische Touristin, die daneben stand. „Wenigstens denken wir jetzt nicht daran, dass wir gestern Abend bei der Fußballweltmeisterschaft so schmählich ausgeschieden sind“, witzelte ein junger Mann, der eines der 220.000 Fähnchen schwenkte, die kostenfrei verteilt worden waren. Die Amtszeit des neuen spanischen Monarchen hatte offiziell schon um Mitternacht begonnen, nur wenige Stunden nach der offiziellen Abdankung seines Vaters Juan Carlos. Für den neuen König nahmen die Feierlichkeiten am gestrigen schicksalhaften Donnerstag um 9.30 Uhr im Zarzuela-Palast, Residenz und Amtssitz der spanischen Könige vor den Toren von Madrid, ihren Anfang. Dort hatte ihm Juan Carlos die rote Schärpe angelegt, die ihn zum Oberbefehlshaber der spanischen Streitkräfte macht. Das Protokoll hatte hier nur wenige Minuten vorgesehen, doch Juan Carlos nahm sich die Zeit, um seinen Sohn in die Arme zu schließen. Anschließend fuhr Felipe VI mit Letizia ins spanische Abgeordnetenhaus, um den Eid auf die spanische Verfassung abzulegen. Gerührt verfolgte Doña Sofia die Zeremonie von einem Ehrenplatz auf der Zuschauerbühne und warf ihrem Sohn, der ihr eine lange Passage in seiner anschließenden Rede widmete, eine Kusshand zu. König Juan Carlos selbst kam nicht ins Parlament. Neben dem neuen Monarchen, der in militärischer Gala-Uniform ans Rednerpult getreten war, saßen seine Frau Letizia sowie die beiden Töchter Leonor, 8, fortan Prinzessin von Asturien und offizielle Thronfolgerin sowie ihre kleine Schwester Sofia, 7. Der neue König trat überraschend ruhig und selbstsicher bei seiner ersten Rede auf. Er glaube an Spanien und an seine Einheit, so der Prinz in Anspielung auf Abspaltungstendenzen in Katalonien und dem Baskenland. Er wolle der König aller Spanier sein, jemand, der immer das Allgemeininteresse im Auge behalten werde. „Die Monarchie muss die Nähe zu den Bürgern suchen und ihren Respekt und ihr Vertrauen gewinnen“, unterstrich Felipe und verabschiedete sich in den vier Landessprachen baskisch, katalanisch, galizisch und spanisch. „Für den König ist die Sprachenvielfalt eine Bereicherung für unser Land, kein Grund, sich zu streiten“, so ein Beobachter.

Ein weiterer Höhepunkt des Krönungszeremoniells war die Fahrt durch die Madrider Innenstadt. Gegen den Empfehlungen seiner Sicherheitsberater wollte Felipe das Bad in der Menge genießen und ließ sich im offenen Rolls Royce durch die Stadt fahren. Es war das gleiche Fahrzeug, das bei seiner Hochzeit vor zehn Jahren zum Einsatz kam. Sicherheitsprobleme gab es so gut wie keine, am Festtag waren 7000 Polizisten im Einsatz sowie 120 Scharfschützen, drei Helikopter umkreisten die Innenstadt ständig. Die Madrider Bürgermeisterin Ana Botella hatte die Madrider vor Tagen aufgefordert, ihre Häuser zu schmücken. „Lasst uns diesen Tag mit Freude, Stolz und Hoffnung begehen“, so Botella, Gattin des Ex-Premiers José María Aznar, der der Zeremonie ebenso wie die sozialistischen Ex-Premiers Felipe González und José Luis Rodríguez Zapatero beiwohnte. Demonstrationen von Monarchiegegnern hatte die Stadtoberste verboten. Dennoch schafften es 500 Menschen, in Tirso de Molina, unweit des Zentrums eine Minidemo zu organisieren. Im 22. Stockwerk eines Hauses an der Plaza de España wehte eine einsame Republikanerfahne.

Keine offiziellen Gäste

Um jegliche Kritik zu vermeiden, vermied das Königshaus bewusst allzu großen Pomp. Da Spanien noch immer unter einer schweren Wirtschaftskrise stöhnt, hielt man es für angebracht, weder Vertreter von ausländischen Regierungen noch Mitglieder anderer Königshäuser einzuladen.

Die Spanier, die es am Donnerstag nicht zum Palast schafften, können das neue Königspaar im Madrider Wachsmuseum bewundern. Dort wurde über Nacht bereits der Rollentausch vollzogen: Felipe und die bürgerliche Königin Letizia mit Tochter und Thronfolgerin Leonor nehmen nun die Raummitte ein, an der Replik die kleinen Sofia wird noch gearbeitet. Flankiert wird das neue Königspaar von ihren Vorgängern Juan Carlos und seiner Gattin Doña Sofía. Die Figuren von Felipes Schwestern Elena und Cristina, deren Gatte in einen schweren Korruptionsskandal verwickelt ist, wurden aus dem Raum entfernt und in ein Depot gebracht. Sie gehören nicht mehr zur Königsfamilie.