Terror

Gefährliche Wahl: Die Afghanen trotzen den Taliban

Monatelanger Wahlkampf um das Präsidentenamt, eine erste Runde ohne endgültigen Sieger – und dann auch noch eine Stichwahl zwischen den letzten beiden Kandidaten, Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani: Niemand hätte den Afghanen Wahlmüdigkeit verdenken können.

Trotzdem – und obwohl die Taliban Wähler erneut mit dem Tod bedrohten – bildeten sich am Sonnabend wieder Schlangen vor Wahllokalen in Kabul und anderen Städten. „Es ist unser Recht zu wählen“, sagt der 35-jährige Koch Fateh Khan in Kabul. „Auch wenn die Taliban mir den Kopf abgeschnitten hätten, hätte ich meine Stimme abgegeben.“

Afghanistan wird in diesen Tagen gerne in einem Atemzug mit dem Irak genannt. Doch während die Menschen in Bagdad vor einem möglichen Angriff der Terrorgruppe Islamischer Staat in Irak und Syrien (Isis) zittern müssen, herrscht in Kabul Aufbruchstimmung. „Ich fühle mich fantastisch, wunderbar“, sagt die Parlamentsabgeordnete Schukria Baraksai an einem Wahllokal in der Innenstadt. „Ich habe darum gebetet, dass viele Menschen heute wählen gehen, und Gott hat meine Gebete erhört.“ Bei der Stichwahl am Sonnabend kam es zwar zu Angriffen und Anschlägen, bei denen auch mehrere Kinder getötet wurden. Aber die Aufständischen konnten die Wahl nicht stoppen. „Afghanistan macht einen großen Schritt in Richtung Stabilität und Frieden“, sagte der scheidende Präsident Hamid Karsai bei seiner Stimmabgabe. Ob er von Abdullah oder Ghani beerbt wird, darüber wird erst das Wahlergebnis im kommenden Monat Aufschluss geben.

Dass die Taliban die Wahl nicht sabotieren konnten, heißt allerdings nicht, dass sie ohne Einfluss oder gar besiegt wären. In einigen ländlichen Gegenden gelang es ihnen, viele Afghanen von der Stimmabgabe abzuhalten.