Asyl

Deutschland nimmt 10.000 Syrien-Flüchtlinge auf

Verständigung bei Innenministerkonferenz in Bonn. Hilfsorganisationen unzufrieden

Die Lage im Bürgerkriegsland Syrien ist katastrophal. Die Gefechte haben bereits Hunderttausende das Leben gekostet. Millionen Menschen sind bereits geflohen. Die Lager in den Nachbarländern sind voll. Doch viele Syrer wollen das Unglück noch weiter hinter sich lassen. Eines der beliebtesten Ziele: Deutschland. Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich daher auf ein weiteres Aufnahmeprogramm verständigt. Die Bundesrepublik wird zusätzlich 10.000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Darauf haben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost die Ressortchefs bei der Innenministerkonferenz (IMK), die in Bonn stattfindet, geeinigt.

Der erzielte Kompromiss sieht vor, dass der Bund die Kosten für das gesamte Kontingent übernimmt. Die Bundesländer haben demnach zugesichert, dass sie die möglichen Krankenkosten für Syrer übernehmen, die hierzulande bei Familienangehörigen Zuflucht suchen. Dies hatten bislang nur ein paar Bundesländer getan. Deutschland hatte seit dem vergangenen Jahr bereits ein Kontingent für 10.000 Flüchtlinge aus Syrien geschaffen. Wer in diese Gruppe aufgenommen wird, erhält unverzüglich einen Aufenthaltstitel. Bislang wurden jedoch nicht alle Plätze besetzt, da die beiden Programme nur schleppend anliefen: Insgesamt sind bisher nur etwa rund 5000 Syrer über diese hierhergekommen. Mittlerweile sind die Flüge aus dem Krisengebiet allerdings besser ausgelastet.

Die meisten der eingetroffenen Syrer kommen nicht über diese offiziellen Programme, sondern schlagen sich auf eigene Faust durch. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres kamen etwa 10.000 Asylsuchende aus Syrien, so die Zahlen des Bundesinnenministeriums.

Kosten von 1200 Euro im Monat

Nach internen Berechnungen im Vorfeld der Innenministerkonferenz, die der Berliner Morgenpost vorliegen, belaufen sich die veranschlagten monatlichen Kosten pro Flüchtling aus Syrien auf etwa 1200 Euro. In diesem Betrag sind unter anderem Ausgaben für die Unterkunft, Sozialversicherungsbeiträge und Integrationskurse enthalten. Bei einer Familie mit einem Jugendlichen und einem Kind unter 14 Jahren erhöhen sich die Gesamtkosten auf rund 2700 Euro pro Monat. Weitere Kosten von etwa 2500 Euro entstehen durch den Transport, medizinische Untersuchungen sowie die Erstaufnahme in einem der deutschen Durchgangslager. Eine grundlegende Reform der deutschen Flüchtlingspolitik fordert die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl. Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte, Deutschland müsse deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen. Zudem müssten ihre Lebensbedingungen verbessert werden. Mit Blick auf Syrien forderte die Organisation, Deutschland solle all diejenigen Flüchtlinge aufnehmen, deren Familienangehörigen bereits in der Bundesrepublik leben. Pro Asyl sprach sich dafür aus, 80.000 syrische Familienangehörige nach Deutschland kommen zu lassen.