Bildung

Lehrerausbildung bekommt schlechte Noten

Der Beruf des Lehrers zählt unter Abiturienten zwar immer noch zu den angesehensten in Deutschland. Gleichwohl entscheiden sich leistungsstarke und selbstbewusste Schüler nur äußerst selten für ein Lehramtsstudium.

Am Arbeitsplatz Schule werden Aufstiegschancen und Flexibilität vermisst. Dies ist ein Ergebnis des neuen „Hochschulbildungsreports 2020“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Unternehmensberatung McKinsey, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Lehrerausbildung bekommt darin insgesamt schlechte Noten: Häufig sei sie „das Stiefkind“ an der Hochschule. Es mangele an Betreuung und Praxisbezug. Besonders das Grundschullehrer-Studium sei zudem immer noch eine reine Frauendomäne. Die Autoren schlagen eine Fülle von Reformen vor. So sollten die Länder die Lehrer in den Schulen von bürokratischen Aufgaben entlasten, indem sie neue Stellenkategorien wie Schul- oder Unterrichtsassistenten einführen. Mit einer Besoldungsreform sollten sie zudem für planbare Karrierewege und eine leistungsorientierte Vergütung sorgen. Zudem müsse es im Studium mehr Praxisbezüge geben. Ähnlich wie in der Hochschulmedizin, wo fast alle Universitäten über eigene Kliniken verfügen, sollten die Hochschulen für die Lehrerausbildung eigene Labor- oder Kooperationsschulen erhalten, um die Studenten früher an den Unterrichtsalltag heranzuführen. Im Schulalltag müsse eine „Feedback- und Coaching-Kultur“ selbstverständlich werden.

Nach Überzeugung der Experten müssen die Länder bereits bei der Rekrutierung des Pädagogennachwuchses stärker auf die Kompetenz der Bewerber achten. Der Stifterverband verwies dabei auf Umfrageergebnisse, wonach nicht einmal jeder vierte Abiturient mit Interesse am Lehrerberuf bekundet habe, dass er gut motivieren könne. Nur 13 Prozent der möglichen Lehramtsstudenten hätten Durchsetzungsfähigkeit als ihre persönliche Stärke bezeichnet.