Terror

Radikale Islamisten kontrollieren irakische Provinz

Premierminister fordert den Ausnahmezustand

Kämpfer der radikalen Islamistentruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) haben nach mehrtägigen heftigen Kämpfen große Teile der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul eingenommen. Wie der arabische Nachrichtensender al-Arabija (Dubai) berichtet, hat sich die irakische Armee von strategisch wichtigen Positionen in der Provinzhauptstadt zurückgezogen. Die Angreifer waren mit Panzerfäusten und schweren Maschinengewehren bewaffnet und marschierten weiter vor. Athil al-Nudschaifi, Gouverneur der betroffenen Provinz Ninive, sagte dem Sender, Isil habe auch den Flughafen der Stadt unter ihrer Kontrolle. Damit sind nun zwei wichtige Städte in der Hand der Islamisten. Im Januar eroberten sie Falludscha in der westirakischen Provinz Anbar. Bis heute ist die Armee nicht in der Lage gewesen, die sunnitisch dominierte Stadt zurückzuerobern.

Isil ist die mächtigste Terrorgruppe

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte das Parlament auf, den Ausnahmezustand zu verhängen. Mossul, früher eine Hochburg für Al-Qaida-Kämpfer, liegt 360 Kilometer nordwestlich von Bagdad. Isil ist inzwischen die mächtigste sunnitische Terrorgruppe im Irak und in Teilen Syriens. Ein Bürgerkrieg im Irak mit ähnlichen Konstellationen wie in Syrien wird nicht mehr ausgeschlossen. Isil hat der Regierung von Premier al-Maliki den Kampf angesagt und verbucht verblüffende Erfolge gegen eine weitgehend ohnmächtige Staatsmacht. Die Minderheit der Sunniten hatte zu Zeiten des ebenfalls sunnitischen Diktators Saddam Hussein alle Vorteile genossen und wurde in Staat und Armee bevorzugt. Heute sehen sie sich als Verlierer und von der schiitisch dominierten Regierung diskriminiert. Gouverneur al-Nudschaifi gab an, die gesamte nördliche Provinz sei „in die Hände der Aufständischen gefallen“. Nun wollten die Rebellen in die Nachbarprovinz Salaheddin „einfallen“. Er erhofft sich anscheinend keine Hilfe von der Armee und versucht nun, Bürgerwehren zu rekrutieren. Er rief zudem ehemalige Soldaten zu den Waffen, um Isil wieder zu vertreiben. „Alle Kräfte im Irak müssen mobilisiert und internationale Anführer gewarnt“ werden, um dieser „Terroroffensive die Stirn zu bieten“. Andernfalls werde diese sich auf den gesamten Irak ausweiten, verkündete der verzweifelte Gouverneur.