Geschichte

Gedenkfeiern in der Normandie zum D-Day

Vor 70 Jahren begann die Landung der Alliierten, die zum Sieg über Nazi-Deutschland beitrug

Einen Tag vor den großen Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des D-Days haben Veteranen, Soldaten und Würdenträger der Landung der Alliierten in der Normandie gedacht. In der nordfranzösischen Gemeinde Picauville nahmen am Donnerstag US- und Bundeswehrsoldaten an einer Zeremonie zu Ehren getöteter US-Piloten teil. Historische US-Militärflugzeuge überflogen den Ort, aus dem unter anderem die Enkeltochter des berühmten US-Weltkrieg-Generals George Patton, Helen Patton, per Fallschirm sprang.

Im weiter östlich gelegenen Bénouville trafen Prinz Charles und seine Frau Camilla britische Weltkriegsveteranen. Der britische Thronfolger überquerte die bekannte Pegasusbrücke, die in der Nacht zum 6. Juni 1944 zu Beginn der Alliierten-Landung von britischen Soldaten eingenommen worden war. Am Nachmittag wohnten Charles und Camilla dem Absprung von 300 Fallschirmspringern über der Gemeinde Ranville bei. Ranville gilt als erste Gemeinde auf französischem Festland, die von der Nazi-Besetzung befreit wurde.

Die Staats- und Regierungschefs von rund 20 Ländern werden am Freitag bei einer großen Gedenkzeremonie in Ouistreham an der nordfranzösischen Küste an die Alliierten-Invasion vor 70 Jahren erinnern. Unter ihnen sind US-Präsident Barack Obama, der russische Staatschef Wladimir Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Königin Elizabeth II. Geplant sind auch ein feierliches Mittagessen für die Ehrengäste sowie mehrere binationale Zeremonien. Merkel wird am Nachmittag nach der zentralen Feier auf dem Soldatenfriedhof von Ranville einen Kranz niederlegen.

Königin Elizabeth II. kam ebenfalls bereits am Donnerstag an. Am Pariser Gare du Nord wurden die britische Monarchin und ihr Mann Prinz Philip nach der Ankunft ihres Eurostar-Zugs von 300 begeisterten Schaulustigen begrüßt. In der französischen Hauptstadt stand ein Empfang durch Präsident François Hollande auf dem Programm. Im westlich von Paris gelegenen Küstenort Bénouville hatten Prinz Charles und seine Frau Camilla zuvor schon britische Weltkriegsveteranen getroffen.

Der Küstenort Ouistreham hat für Frankreich eine ganz besondere geschichtliche Bedeutung. Am Strand der kleinen Gemeinde, dem die Alliierten den Codenamen Sword gaben, landete am 6. Juni 1944 die einzige am D-Day beteiligte französische Einheit. Die 177 Freiwilligen des Kommandos Kieffer kämpften an der Seite von rund 28.500 britischen Soldaten. Benannt wurde das Kommando nach seinem Anführer, dem Korvettenkapitän Philippe Kieffer.

Ouistreham war der östlichste Punkt der Alliierten-Landung. Die Deutschen hatten den Ort in eine wahre Festung verwandelt und leisteten heftigen Widerstand. Am D-Day wurden zehn Marineinfanteristen des Kommandos Kieffer getötet und 31 weitere verletzt. Am Ende der Schlacht um die Normandie Ende August 1944 waren 27 Angehörige des Kommandos tot. Das 15 Kilometer nördlich von Caen gelegene Ouistreham hat heute knapp 10.000 Einwohner. Bei der Operation Neptun waren 133.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien und Kanada an den Stränden der Normandie gelandet, 23.000 Fallschirmjäger sprangen im Hinterland ab. Mit der Militäroperation Overlord, deren erster Teil die Operation Neptun war, wurde eine neue Front im Kampf gegen Hitler-Deutschland eröffnet, die entscheidend zum Sieg der Alliierten beitrug.