Gesundheit

Neue Drogen breiten sich in Europa aus

Suchtberatungsstellen in Berlin sind überlaufen

Europa wird von immer mehr neuen und offenbar immer gefährlicheren Designerdrogen überschwemmt. Im vergangenen Jahr wurden in den Ländern der Europäischen Union 81 bis dahin unbekannte, künstlich hergestellte Rauschmittel entdeckt. Das seien acht mehr als im bisherigen Rekordjahr 2012, teilte die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in ihrem in Lissabon veröffentlichten Jahresbericht mit. Auch in Berlin schlagen die Experten Alarm, da Konsumenten von Partydrogen vermehrt Hilfe in Suchtberatungsstellen suchen. „In den vergangenen beiden Jahren hat die Zahl der Klienten um mehr als 20 Prozent zugenommen“, sagte die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara. „Die Beratungsstellen arbeiten damit am Limit.“ Besonders häufig würden im Berliner Nachtleben Aufputschmittel wie Amphetamine, aber auch Kokain, Ecstasy oder Cannabis eingenommen, sagte Köhler-Azara. Crystal Meth ist bisher kaum in Berlin verbreitet. „Der Stoff ist hier noch sehr teuer und spielt allenfalls in bestimmten Milieus eine Rolle.“

Die Experten der EU-Drogenbeobachtungsstelle schätzen Crystal als eine der gefährlichsten illegalen Drogen ein: Es macht schnell abhängig und kann Psychosen ebenso wie Hirnschäden hervorrufen. Die Drogenproblematik in Europa gestalte sich „zunehmend komplex“, so die EBDD. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström äußerte bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag die Sorge, dass „die in Europa heute konsumierten Drogen möglicherweise die Gesundheit der Konsumierenden noch stärker schädigen“ könnten als früher.

Seit Einrichtung eines Frühwarnsystems im Jahr 1997 wurden der EBDD und Europol inzwischen mehr als 350 neue Drogen gemeldet. Die Flut setzte allerdings erst vor wenigen Jahren ein. Bis 2006 ging es immer um eine Handvoll neuer Drogen. 2008 verzeichnete die EBDD noch 13 neue Substanzen. Die Zahl neuer synthetischer Drogen kletterte danach jedoch rapide von 24 im Jahr 2009 auf 73 im vergangenen Jahr.