Religion

Papst vergleicht Missbrauch mit „satanischer Messe“

Franziskus will mit acht Opfern einen Gottesdienst im Vatikan abhalten

Null Toleranz – das ist Papst Franziskus’ Strategie, mit Missbrauchsfällen durch katholische Geistliche umzugehen. Das sagte der Pontifex nach seiner Nahostreise auf dem Rückflug nach Rom. In der Kapelle des Gästehauses Santa Marta im Vatikan soll kommende Woche ein Gottesdienst mit bis zu acht Missbrauchsopfern stattfinden. Anschließend wolle er sich mit ihnen zu einem Gespräch treffen. Auch der Vorsitzende der vatikanischen Kinderschutzkommission, Kardinal Seán Patrick O’Malley, werde an der Begegnung teilnehmen.

Franziskus stellte zudem klar, dass es derzeit Untersuchungen gegen drei Bischöfe der Weltkirche gebe. „Es gibt keine Privilegien für Amtsträger“; das sei im Interesse der Kirche. Zum Abschluss seiner Nahostreise hat Franziskus die Präsidenten Israels und der Palästinenser für ihren „Mut“ gelobt. Das Kirchenoberhaupt bezog sich dabei am Montagabend auf das geplante gemeinsame Gebet für Frieden im Nahen Osten, nachdem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Staatschef Schimon Peres Franziskus’ Einladung in den Vatikan angenommen hatten.

Im Flugzeug dann ging Franziskus über die Warnungen seines Sprechers Federico Lombardi, sich doch besser zu schonen, hinweg und plauderte 40 Minuten lang mit den Journalisten. Dabei äußerte er sich auch zu den Missbrauchsfällen. Diese seien „ein Sakrileg“ und vergleichbar mit einer „satanischen Messe“, sagte er. Kinder und Jugendliche suchten in der Kirche die „Heiligkeit“ Gottes und die Täter würden mit ihren Vergehen Gott „verraten“.

Im Jahr 2010 waren auch massive Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs am Canisius-Kolleg in Berlin lautgeworden, wie die Berliner Morgenpost damals enthüllte. Im Januar dieses Jahres hat die Kirche zudem einen Beteiligten verurteilt – der heute 72 Jahre alte Jesuitenpater wurde auf Lebenszeit vom Priesterdienst ausgeschlossen.

Es gebe für die Beschuldigten „keine Privilegien“, sagte Papst Franziskus. Einer der drei Bischöfe der Weltkirche, gegen die wegen pädophiler Übergriffe ermittelt wird, sei bereits verurteilt. Die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre hatten die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen massiv geschadet. Papst Franziskus hatte die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester kürzlich um Verzeihung gebeten und deutlich strengere Strafen für die Täter gefordert.

Das Kirchenoberhaupt hatte am Montag in Jerusalem seine mehrtägige Nahostreise beendet. Am Samstag hatte der Papst Jordanien und am Sonntag Bethlehem in den Palästinensergebieten besucht. Er setzte sich bei seinen Auftritten in den Ländern vor allem für die Zusammenarbeit der drei Weltreligionen ein. Am späten Montagabend landete Franziskus wieder in Rom.

Getrübt wurde Franziskus’ Aufenthalt in Jerusalem am Montagabend von einem Brandanschlag auf eine der wichtigsten katholischen Kirchen der Stadt, die Dormitio-Abtei. Die Kirche liegt auf dem Zionsberg unmittelbar gegenüber des Abendmahlsaales. Nur kurz zuvor hatte Franziskus in der Nähe dieses Saals eine Messfeier zelebriert.

Vertretern der Dormitio-Abtei und der Polizei zufolge betrat ein Mann die Kirche, nahm sich eine Kerze und zündete ein Buch an. Dabei handelte es sich um ein Buch aus der Krypta, das von Pilgern genutzt wird. Außerdem setzte der Täter Holzkreuze und Mobiliar im Stammkloster der Glaubensgemeinschaft in Brand. Mehrere Mönche löschten das Feuer.

Noch am Samstag hatten strengreligiöse Juden gewalttätig gegen die christliche Präsenz in dem Gebäude mit dem Abendmahlssaal demonstriert. Auf die Abtei waren schon zuvor antichristliche Anschläge verübt worden.