Krise

Anspannung vor Präsidentenwahl in der Ukraine

Separatisten besetzen in Donezk Kreiswehrersatzamt

Höchst angespannt geht die Ukraine an diesem Sonntag in die Präsidentenwahl. Über 20 Kandidaten bewerben sich um das höchste Amt im Staat, das seit der Amtsenthebung und Flucht von Viktor Janukowitsch im Februar von Übergangspräsident Alexander Turtschinow geführt wird. Vor der Abstimmung sagten die beiden aussichtsreichsten Kandidaten, der Unternehmer Pjotr Poroschenko und Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko zu, bei einem Wahlsieg den Europa-Kurs der aktuellen Regierung in Kiew zu unterstützen.

Regierungschef Arseni Jazenjuk rief die Bürger zur regen Teilnahme an der Abstimmung auf, die entscheidend für die Zukunft des Landes sei. Gleichzeitig richtete er eine Kampfansage an die Separatisten im Osten des Landes, die am Sonnabend in der Ostukraine weitere öffentliche Gebäude besetzten. Die EU bereitete unterdessen einen Plan mit Wirtschaftssanktionen gegen Russland vor, sollte die Krise in der Ukraine weiter eskalieren.

Bei einem stimmungsvollen „Gebet für die Ukraine“ sprachen sich Kirchenvertreter in Kiew für eine friedliche und erfolgreiche Präsidentenwahl aus. Übergangspräsident Turtschinow und Jazenjuk sowie mehrere Minister waren in die Sophienkathedrale zu der Zeremonie gekommen, die vom Staatsfernsehen live übertragen wurde. „Morgen zeigen wir der Welt, aber vor allem uns selbst, dass wir uns nicht einschüchtern lassen“, sagte der Regierungschef.

Jazenjuk verband den Aufruf mit einer Kampfansage an die militanten Separatisten im Osten des Landes. „Die Banditen werden nicht lange die Regionen (Lugansk und Donezk) terrorisieren.“ Die Präsidentenwahl sei ein Symbol für eine weitere Demokratisierung. „Morgen verteidigen wir die Ukraine und leisten mit unseren Stimmzetteln einen Beitrag zu ihrem Wohlstand, zur Zukunft unserer Kinder und Enkel. Wir wählen – und das bedeutet, dass wir siegen“, betonte er.

Die Separatisten sorgten unterdessen für neue Spannungen. Kurz vor der Wahl besetzten sie in Donezk das Zentrale Kreiswehrersatzamt, berichteten örtliche Medien. Bei der nächtlichen Attacke der etwa 50 prorussischen Aktivisten sei niemand verletzt worden. Auch in einem Krankenhaus, in dem Sicherheitskräfte der Regierung behandelt werden, hätten Militante Stellung bezogen.