Prozess

Gericht verurteilt Milliardärsbrüder in China zum Tod

Die beiden Unternehmer sollen Mafia-Struktur aufgebaut haben

In der vom chinesischen Parteichef Xi Jinping gestarteten Antikorruptions- und Antikriminalitätskampagne sollen die ersten Köpfe rollen. Die beiden international bekannten und politisch bis in die höchsten Parteikreise vernetzten milliardenschweren Unternehmerbrüder Liu Han und Liu Wei wurden jetzt zum Tode verurteilt. Ein Gericht in Xianning in der Provinz Hubei beschuldigte sie, eine „mafiaähnliche Bande“ geführt und seit 1993 mehrere Morde angeordnet zu haben. Die Brüder können allerdings noch Berufung einlegen.

Das spektakuläre Verfahren, bei dem die Urteilsverkündung in den nationalen Mittagsnachrichten gezeigt wurde, ist Teil laufender Ermittlungen im Korruptionsskandal um den früheren „Polizeizaren“ der Partei, Zhou Yongkang. Er wird nach Angaben offizieller chinesischer Medien verdächtigt, die Brüder protegiert und über seinen bereits inhaftierten Sohn auch an ihren Geschäften beteiligt gewesen zu sein.

Mit den Brüdern wurden in dem rund sechs Wochen dauernden Prozess weitere 34 Personen als Bandenmitglieder zu hohen Strafen verurteilt, darunter drei weitere zum Tode und fünf zur „aufgeschobenen Todesstrafe“, was eine Umwandlung zu lebenslanger Haft möglich macht. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach von der größten „kriminellen Gruppe, die in China in den vergangenen Jahren vor Gericht kam“. Die Anklage hatte ihnen 20 Schwerverbrechen und neun Mordfälle zur Last gelegt.

Bis zu seiner Festnahme im März 2013 galt der heute 49-jährige Liu Han als Vorzeigeunternehmer und Philanthrop, der es auf die Forbes-Milliardärsliste brachte. Seine 12.000 Mitarbeiter beschäftigende Hanlong-Energiegruppe war an Bergbauunternehmen in den USA und Australien beteiligt, aber auch an Glücksspiel- und Wettgesellschaften im Ausland. Auch sein jüngerer Bruder Liu Wei, 43, galt als angesehener Unternehmer, der 2008 für seine Stadt Guanghan als Staffelläufer die olympische Fackel trug. Als Kredithai soll er der Wirtschaft der Stadt geschadet und das Glücksspiel und die Vergabe der Bauaufträge kontrolliert haben.

Beide Brüder haben sich, Xinhua zufolge, neben ihrer Angst verbreitenden Bande durch Bestechung „politische Schutzschirme“ erkauft. Sie hätten sich ein „Netzwerk“ an korrupten Beamten aufgebaut. Mehr als zehn Jahre, hielten sie demnach „die Gesellschaft in Sichuan in Angst und Schrecken“.