Visa-Verstoß

Moskau weist polnische Musiker aus

Metal-Band soll gegen Visa-Bestimmungen verstoßen haben und wird bestraft

Der Leadsänger der polnischen Band Behemoth kommt auf die Bühne und schreit sofort ins Mikrofon. Die Schminke lässt „Nergal“, wie Adam Darski sich nennt, wie ein Ungeheuer aussehen. Seine Musik, Death Metal genannt, ist nicht jedermanns Sache. Die Texte handeln von Satanismus, sind religionsfeindlich und obrigkeitskritisch.

Die Gruppe hat Fans in aller Welt und Darski zählt zu den wenigen polnischen Künstlern, die international Karriere gemacht haben. In Russland waren 13 Konzerte geplant, aber nach dem vierten war plötzlich Schluss. Die russische Migrationsbehörde kontrollierte die acht Bandmitglieder vor ihrem Konzert in Jekaterinburg und befand, die Hardrocker sofort in Gewahrsam zu nehmen. Der Vorwurf: Einreise mit falschen Visa. „Etwa zehn Männer verfrachteten uns in einen Bus. Wir haben versucht das polnische Konsulat zu erreichen, aber niemand ging ans Telefon“, ließ Darski per Facebook wissen.

Westliche Künstler konnten bislang mit einem sogenannten „humanitären Visum“ nach Russland reisen. Weil sie aber mit ihren Auftritten Geld verdienen, verstoßen sie der neuen Interpretation zufolge nun gegen das Gesetz. Außen- und Kulturministerium sowie die für Visafragen zuständige Immigrationsbehörde verfügten, dass ausländische Künstler für Auftritte in Russland nun ein besonderes Visum brauchten. Darski teilte aber mit, er und seine Band hätten alles richtig gemacht, die Visa im Warschauer Konsulat beantragt. Die polnischen Musiker mussten trotzdem in Jekaterinburg eine Nacht im Gefängnis verbringen. Die darauffolgende Gerichtsverhandlung war kurz und endete mit folgendem Urteil: umgerechnet 43 Euro Bußgeld pro Person, Ausreise innerhalb der kommenden 15 Tage und ein Einreiseverbot für die nächsten fünf Jahre.

Adam Darski, dessen fünf frühere Russlandtouren problemlos verlaufen waren, will nun eine Klage anstrengen, um Entschädigung zu erhalten. Ihm tue die ganze Situation für seine Fans leid.