Urteil

Zwölf Jahre Haft für kongolesischen Kriegsverbrecher

Wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist der frühere kongolesische Milizenführer Germain Katanga zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Das Strafmaß setzte der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) am Freitag fest. Katanga war Anfang März in Den Haag schuldig gesprochen worden. Er soll durch Waffenlieferungen ein „besonders grausames“ ethnisch motiviertes Massaker im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ermöglicht haben.

Bei dem Massaker in Bogoro waren vor elf Jahren 200 Menschen überwiegend mit Macheten getötet und zahlreiche Frauen vergewaltigt worden. Katanga blieb reglos, als der Vorsitzende Richter Bruno Cotte am Freitag das Strafmaß verkündete. „Die Narben, die die Kämpfe an dem Tag hinterlassen haben, sind noch heute sichtbar“, sagte der Richter. Die knapp sieben Jahre, die Katanga bereits im Gefängnis sitze, würden von der Haftstrafe abgezogen. Es war erst das zweite Urteil des IStGH, seit der Gerichtshof 2003 seine Arbeit aufgenommen hat.

Katanga hat gegen den Schuldspruch vom März bereits Berufung eingelegt, er weist die Vorwürfe zurück. Der 36-Jährige hat nun 30 Tage Zeit, um auch gegen das Strafmaß Einspruch einzulegen. Auch die Staatsanwaltschaft war schon gegen den Schuldspruch vom März in Berufung gegangen, weil Katanga von den Vorwürfen freigesprochen worden war, Vergewaltigungen befohlen und Kindersoldaten eingesetzt zu haben. Über die Einsprüche wird in gesonderten Verfahren entschieden. Zur Zeit des Verbrechens war Katanga unter dem Kampfnamen Simba (Löwe) Kommandeur der Patriotischen Widerstandskräfte in Ituri (FRPI). Bei dem Angriff im Morgengrauen hatte die FRPI-Miliz, die sich aus den Ethnien der Lendu und Ngiti rekrutiert, das Dorf komplett zerstört. In Bogoro lebten damals Angehörige der Volksgruppe der Hema. Die Anklage wollte Katanga wegen direkter Mittäterschaft verurteilt sehen.