Interview

„Meine Frau ist zum ersten Mal besorgt“

Tom Hoyem ist Wahlbeobachter der OSZE in der Ukraine. Eine heikle Mission

Während am 25. Mai hierzulande Europa- und Kommunalwahlen sind, wird in der Ukraine ein neuer Präsident gewählt. Die OSZE schickt dazu Beobachter. Einer von ihnen ist der Däne Tom Hoyem, 72, Direktor der Europäischen Schule in Karlsruhe.

Herr, Hoyem, wie gefährlich schätzen Sie Ihre Mission ein?

Tom Hoyen:

Meine Frau ist zum ersten Mal besorgt um mich. In der Ukraine herrscht Chaos.

Warum wollen Sie dann hin?

Um das Chaos in der Ukraine zu beenden, braucht es eine demokratisch legitimierte Autorität. Die Präsidentenwahl ist der Anfang. Und der Einsatz liegt mir als Direktor der Europäischen Schule besonders am Herzen: Wir haben 52 Nationalitäten an der Schule. Wie Europa funktioniert, sehe ich jeden Morgen.

Wo werden Sie eingesetzt?

Das wissen wir vorher nicht. Alle rund 1000 OSZE-Wahlbeobachter treffen sich Mitte nächster Woche in Kiew. Dort werden wir gebrieft, bekommen das Gebiet und einen Partner zugeteilt, ein Auto und einen Dolmetscher.

Tragen Sie eine Schutzweste?

Nein, die habe ich bislang nur beim Kongo-Einsatz im Jahr 2006 getragen. Das größte Problem waren aber damals unsere Bewacher. Sie waren sehr arm und wussten, dass wir viel Geld dabei hatten. Wir haben ihnen hie und da Geld zugesteckt und auch mal einen Whisky zusammen getrunken.

Was machen Sie genau am Wahltag?

Wir sind um 5 Uhr in einem Wahllokal, schauen etwa, ob alle Stimmzettel da sind, das Wahlkomitee vollständig ist oder die Wahlurnen geschlossen sind. Danach besuchen wir noch rund ein Dutzend weiterer Wahllokale und beobachten, wie gewählt wird.

Was ist, wenn Sie Unregelmäßigkeiten bemerken?

Die oberste Regel lautet: Niemals einmischen. Wir schicken aber den ganzen Tag über Reporte an die OSZE in Kiew.

Ihre größte Hoffnung?

Dass wir am Ende sagen können: Die Wahlen waren frei und fair. Es ist so ein Privileg, dass wir in Ländern leben, wo wir frei wählen können.