Ausland

Machtwechsel: Indien wählt einen starken Führer

Erdrutschsieg für Narendra Modi und seine Hindupartei

Die weltgrößte Demokratie Indien steht vor einer neuen Ära: Bei der Parlamentswahl erhielten die Hindu-Nationalisten nach Teilergebnissen erstmals eine absolute Mehrheit. Die bisherige Oppositionspartei BJP und ihr unternehmerfreundlicher Spitzenkandidat Narendra Modi könnten 284 der 543 Parlamentssitze im indischen Unterhaus erreichen und damit alleine durchregieren. Dies hatte seit 30 Jahren keine Partei mehr geschafft. Die bisher regierende Kongresspartei der Nehru-Gandhi-Familie, die die Geschicke der Atommacht seit der Unabhängigkeit 1947 die meiste Zeit lenkte, sah einer noch nie dagewesenen Niederlage entgegen. Die altehrwürdige Partei wird nach Angaben der Wahlkommission nur etwa 44 Wahlkreise für sich entscheiden, das wäre nicht einmal ein Viertel der bisherigen Sitze.

Insgesamt hatten in den vergangenen Wochen mehr als eine halbe Milliarde Inder abgestimmt, 815 Millionen waren wahlberechtigt. Damit handelte es sich um die größte Wahl der Menschheitsgeschichte. Die Wahlbeteiligung lag mit 66 Prozent so hoch wie nie zuvor in Indien.

Das Votum ist eine schallende Ohrfeige für die Kongresspartei und macht den Wunsch vieler Inder nach besseren Wirtschafts- und Lebensverhältnissen deutlich. Die Menschen in dem 1,2 Milliarden Einwohner zählenden Land leiden derzeit unter rasant steigenden Lebensmittelpreisen, ausufernder Korruption und hoher Arbeitslosigkeit.

Modi, der als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat große Unternehmen ansiedelt, präsentierte sich im Wahlkampf als Anpacker, der das Land reformieren kann, Straßen und Stromleitungen baut und finanzstarke Investoren ins Land holt. Bei seiner ersten Ansprache ans Volk versprach der designierte Premierminister, sich für die Nation aufzuopfern. „In den nächsten 60 Monaten wird keiner so hart arbeiten wie ich.“ Jede Sekunde sei er nun für das Volk da. Zuvor twitterte er: „Indien hat gewonnen! Eine gute Zeit ist angebrochen.“

BJP-Gründer und Parteichef L. K. Advani bezeichnete das Votum als „historisches Ergebnis“. Indiens Noch-Premierminister Manmohan Singh gratulierte Modi bereits vor Ende der Stimmauszählung telefonisch zum Wahlsieg.