Justiz

Pim Fortuyns Mörder vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen

Er ist einer der bekanntesten Niederländer, aber niemand weiß, wo er sich aufhält: Volkert van der G., der Pim Fortuyn ermordet hatte, ist am Freitag vorzeitig aus dem Gefängnis freigekommen.

Die Sicherheitsbestimmungen sind streng: Van der G. muss eine elektronische Fußfessel tragen, sich jede Woche bei der Resozialisierungsstelle melden und im Land bleiben. Verboten sind ihm die Städte Den Haag, Rotterdam und Hilversum – der Ort, an dem er am 6. Mai 2002 den rechtspopulistischen Politiker erschoss.

An jenem 6. Mai hatte Fortuyn im Mediapark Hilversum, dem Sitz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Niederlanden, Interviews gegeben, und war auf dem Weg zurück zu seinem Auto, als van der G. auf ihn schoss. Sein Fahrer und zwei Radiomitarbeiter sahen die Tat, konnten ihm aber nicht mehr helfen.

Fortuyns politischer Aufstieg war beispiellos. Der Ex-Soziologieprofessor war 1997 schlagartig in die Öffentlichkeit getreten, als sein Buch „Gegen die Islamisierung unserer Kultur“ erschien. Darin präsentierte sich Fortuyn als Gegner des Islams, den er später einmal als „rückständig“ beschrieb. Der eloquente Fortuyn gerierte sich gern als Mann des Volkes, der aussprach, was andere nur dachten.

Am 27. März 2003 begann der Prozess gegen Volkert van der G. Er dauerte nur drei Tage. Van der G. gestand den Mord. Er habe in Fortuyn eine Gefahr für die Gesellschaft gesehen, erklärte er. Er war damals 32 und nie zuvor strafrechtlich aufgefallen. Psychiater kamen zu dem Schluss, dass er zwar an einer Persönlichkeitsstörung litt, dies aber nichts mit dem Mord zu tun hatte. Van der G. wurde in erster und zweiter Instanz zu 18 Jahren Haft verurteilt. 2007 bekam er zum ersten Mal Hafturlaub.

Vor seiner frühzeitigen Entlassung – er hat erst zwei Drittel seiner Haftstrafe abgesessen – stand ein kompliziertes Prozedere. Bereits 2013 hatte van der G. beantragt, auf Probe freizukommen. Justizstaatssekretär Fred Teeven sprach sich dagegen aus. Van der G.s Anwalt ging in Berufung und erreichte, dass die Gefahr einer weiteren Straftat geprüft und sein Mandant vorzeitig entlassen wurde.

Der Fall wird in den Niederlanden mit Spannung beobachtet, jede kleinste Entwicklung in den Medien berichtet. Denn van der G.s Tat – zusammen mit dem Mord an Regisseur Theo van Gogh 2004, der einen Film über Fortuyn vorbereitete – hat das Land für immer verändert. Er bereitete einem neuen Typus Politiker den Boden: Rechtspopulisten. Sie sind gebildet, eloquent und verstehen es, die Menschen zu begeistern.

Volkert van der Gs. neuer Wohnsitz soll für die Öffentlichkeit unbekannt bleiben. Fortuyn-Anhänger haben im Internet aufgerufen, ihn zu finden.