Terror

Zahlreiche Tote bei neuem Anschlag in Nigeria

Proteste wegen der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen

Der Terror in Nigeria geht unvermindert weiter. Eine Woche vor Beginn des hochrangig besetzten Weltwirtschaftsforums Afrika in Abuja wurden am Donnerstagabend bei einem Anschlag mindestens zwölf Menschen getötet und 19 weitere verletzt. Drei Männer hätten den Angriff verübt, sagte Polizeisprecher Frank Mba am Freitag in der Hauptstadt Nigerias. Sie stellten demnach ein Auto ab, das kurz darauf explodierte. Ziel waren offenbar Menschen, die unter anderem von Maifeierlichkeiten aus dem Stadtzentrum zurückkehrten.

Augenzeugen und Krankenhausmitarbeiter in Abuja berichteten, sie hätten mehr Opfer gesehen. Allein in das Asokoro-Krankenhaus seien 17 Leichen eingeliefert worden. Die Klinik habe Schwierigkeiten, alle Verletzten des Anschlags ausreichend zu versorgen, weil viele Ärzte noch mit den Verwundeten des Terroraktes vor gut zwei Wochen beschäftigt seien, sagte der Sprecher des Krankenhauses, Tayo Haastrup.

Der jüngste Anschlag ereignete sich gegenüber dem Busbahnhof im Vorort Nyanya, wo am 14. April etwa 100 Menschen von Terroristen getötet worden waren. Zu der Attacke bekannte sich die islamistische Sekte Boko Haram, die einen islamischen Gottesstaat errichten will. Anschlägen und Angriffen der Organisation sind seit 2009 mehrere Tausend Menschen zum Opfer gefallen. Zu dem Anschlag vom Donnerstagabend bekannte sich zunächst niemand.

Die nigerianischen Behörden haben nach eigenen Angaben noch immer keine Spur von den mehr als 200 Schülerinnen, die Mitte April in einer nächtlichen Aktion aus einer Schule im Ort Chibok entführt worden waren. Auch am Freitag gab es in mehreren Orten Nigerias Proteste gegen die Sicherheitskräfte und die Regierung. Ihnen wurden Unfähigkeit und Untätigkeit vorgeworfen. Die entführten Mädchen sind nigerianischen Medienberichten zufolge teilweise nach Kamerun und in den Tschad verschleppt und dort von Islamisten zwangsverheiratet worden. die Behörden vermuten, dass die islamistische Gruppierung Boko Haram auch hinter der Verschleppung steht.