Diplomatie

Abbas: Holocaust „abscheulichstes Verbrechen“ in Neuzeit

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den Holocaust als das „abscheulichste Verbrechen“ der neueren Geschichte bezeichnet und den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl ausgesprochen.

Mit seinen Äußerungen, die die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Sonntag veröffentlichte, wollte Abbas offenbar einen Schritt auf Israel zugehen. Die Friedensgespräche zwischen Palästinensern und Israelis stecken in einer schweren Krise.

Der Kommentar des Palästinenserpräsidenten wurde wenige Stunden vor dem jährlichen Holocaust-Gedenken in Israel veröffentlicht. Dem Völkermord durch die Nazis fielen sechs Millionen Juden zum Opfer. Viele Israelis fürchten, dass die Palästinenser nicht wirklich bereit sind, eine jüdische Präsenz im Heiligen Land zu akzeptieren und glauben, dass die weit verbreitete Ignoranz oder sogar Leugnung des Holocausts im palästinensischen Volk Ausdruck dieser Einstellung sei. Viele Palästinenser fürchten, dass sie durch eine Bestätigung der systematischen Ermordung von Juden ihre eigenen Ansprüche gefährden könnten, die sich aus ihrem jahrelangen Leiden unter israelischer Besatzung ergeben.

Abbas’ Büro teilte mit, der Palästinenserpräsident habe den Holocaust bei einem Treffen mit dem US-amerikanischen Rabbi Marc Schneier diskutiert, der vergangene Woche sein Hauptquarter in Ramallah besucht hatte. Abbas sagte Schneier laut Wafa, das „was den Juden im Holocaust passiert ist“, sei „das abscheulichste Verbrechen an der Menschheit in der Neuzeit“ gewesen. Der Holocaust sei Ausdruck von ethnischer Diskriminierung und Rassismus.

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßte Abbas’ Äußerungen. Sie könne einen Kurswechsel signalisieren. Man erwarte, dass sich dies auch in Webseiten der Palästinenserbehörde, Lehrplänen und im öffentlichen Diskurs spiegeln werde.