Gedenken

Erdogan bekundet Bedauern für Tötung von Armeniern

Zum ersten Mal hat ein türkischer Regierungschef sein Beileid für die Massentötung von Armeniern durch osmanische Soldaten im Ersten Weltkrieg geäußert.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kondolierte den Nachfahren der Opfer am Mittwoch, am Tag bevor sich die Ereignisse zum 99. Mal jähren. Die Aktionen im Jahre 1915 seien unmenschlich gewesen, erklärte der Premier.

In der Erklärung bezeichnet Erdogan die Opfer der Armenier als „gemeinsames Leid“. Er fügt hinzu: „Es lässt sich nicht abstreiten, dass die letzten Jahre des Osmanischen Reiches, gleich welcher Religion oder ethnischer Herkunft sie angehörten, für Türken, Kurden, Araber, Armenier und Millionen weiterer osmanischer Bürger eine schwierige Zeit voller Schmerz waren.“ Es sei aber inakzeptabel, dass die Ereignisse von 1915 als ein Vorwand für eine Anfeindung gegenüber der Türkei benutzt und zu einem Streitthema stilisiert werden.

Allerdings bezeichnete er die Taten nicht als Völkermord. Dieses Anerkenntnis fordern Armenier in aller Welt seit Jahrzehnten. In Frankreich wurde die Leugnung des Genozids an den Armeniern ebenso wie jene des Holocaust 2012 unter Strafe gestellt. Was 1915 geschah und wie viele Opfer es gab, ist umstritten. Die Türkei hat eingeräumt, dass im Ersten Weltkrieg viele Armenier bei Zusammenstößen ums Leben kamen. Die Zahl von bis zu 1,5 Millionen Toten wird aber bestritten. Ob Erdogans Geste die Beziehungen zwischen der Türkei und seinem Nachbarn verbessern kann, bleibt abzuwarten. Ein aktueller Grund für Erdogans Schritt könnten angebliche Massaker im armenisch-christlichen Dorf Kasab in Syrien gewesen sein, für das Armenien der Türkei eine Mitschuld gibt. In den USA, einem Partner der Türkei, üben armenische Vertreter Druck auf Parlamentarier aus, um die Vorfälle in Kasab aufzuklären.