Jugend

Gegen Gewalt im Alltag: Brasilien verbietet Spielzeugwaffen

Täglich werden Menschen in den brasilianischen Großstädten Opfer von Überfällen: Wenn es gut läuft, stehlen die Diebe nur Geld, wenn es schlecht läuft, endet der Überfall tödlich.

Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um eine Kurzwaffe, Kaliber 38, brasilianischer Herkunft. Die Waffengattung, die in Brasilien hauptsächlich verwendet wird. Immer häufiger setzen die Täter aber auch Spielzeugpistolen ein. Weil die Plastikmodelle den Originalen inzwischen immer ähnlicher sehen, hat zunächst die Regierungshauptstadt Brasilia im vergangenen Jahr als erster brasilianischer Bundesstaat einen Vorstoß gewagt, Spielzeugwaffen zu verbieten. Mit São Paulo folgt nun der mit 41 Millionen bevölkerungsreichste Bundesstaat. Es ist ein Versuch der Regierung, vor der in knapp zwei Monaten beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft die Gewalt in den Griff zu bekommen.

Unter den Ländern mit den meisten Kleinwaffen steht Brasilien dem internationalen Small Arms Survey zufolge weltweit auf dem siebten Platz: 14,8 Millionen Kleinwaffen gibt es im Land. Im Jahr 2010 starben etwa 39.900 Menschen durch Schusswaffen – das macht 108 Tote pro Tag. Der im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie „Mapa da Violência“ (Karte der Gewalt) zufolge ist die Anzahl der Menschen, die durch Schusswaffen umgekommen sind, im Zeitraum von 1980 bis 2010 um 346 Prozent gestiegen. Im Jahr 1980 waren es noch 8710 Opfer, 33 Jahre später hat sich die Zahl mit 38.892 Toten mehr als verdreifacht. In Brasilien zirkulieren laut der Organisation „Viva Rio“ mehr als 17 Millionen Waffen, von denen knapp die Hälfte in offiziellem Besitz ist – also legal erworben wurde.

André do Prado, Abgeordneter in São Paulo und Mitverfasser des Gesetzes fordert sogar das Verbot von bunten Wasserpistolen, deren Einsatz bei Überfällen eher unwahrscheinlich ist. „Wir müssen der Kultur der Gewalt ein Ende setzen.“ Es gehe darum, die Gewalt aus dem Alltag zu verbannen.