Schutz

Tochter des polnischen Premiers erhält Morddrohungen

Absender schwören Rache für das Unglück von Smolensk

Die Pressekonferenz des polnischen Ministerpräsidenten am Dienstag nahm eine unerwartete Wende. Gefragt, ob seine Tochter von der Regierung geschützt würde, entschied sich der Premierminister, einige der SMS-Nachrichten mit Morddrohungen der Presse vorzulesen. Es war eine Reaktion auf Enthüllungen der Boulevardpresse. Sie unterstellt der Regierung, dass das Geld der Steuerzahler für den Schutz privater Personen verschwendet würde. Katarzyna Tusk, Jahrgang 1987, die eines der populärsten Mode- und Lifestyleblogs des Landes führt. In einem Land, in dem der Mindestlohn 400 Euro brutto beträgt, für manchen eine Provokation.

Die Nachrichten, die der Ministerpräsident während der Konferenz vorlas, seien laut Tusk „die sanftesten, die man noch öffentlich vorlesen kann“. Sie versprechen Rache für den „Mord“ an den Opfern der Katastrophe des Präsidentenflugzeugs von Smolensk 2010. „Sag dem rothaarigen Mischling, dass er für den Mord von Smolensk umgebracht wird“, zitierte Tusk eine der Kurznachrichten aus den letzten Tagen.

Am 10. April 2010 starb bei der Luftkatastrophe in Smolensk der polnische Präsident Lech Kaczyński, seine Frau und weitere 94 Mitglieder der polnischen politischen Elite. Lech Kaczyński, dessen Bruder Jarosław die führende rechte Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit” leitet, ist seitdem zu einer Märtyrerfigur für viele Mitglieder der Opposition und Rechtsradikale geworden. Sie glauben trotz Ermittlungen, dass es sich nicht um eine Katastrophe, sondern um ein Attentat auf russischem Boden handele. Die Bezeichnung des Premiers als „Mischling“ ist eine Anspielung der Rechtsextremisten auf den Familienhintergrund des Ministerpräsidenten, der nicht rein polnisch sein soll, weshalb Tusk die Polen nicht repräsentieren könne. „Ihr müsst bis in die fünfte Generation ausgerottet werden“, zitierte der Premier aus einer weiteren SMS.

Einige Oppositionsmitglieder behaupten, Tusk sei mitverantwortlich für den Unfall des Präsidentenjets. Der Streit um die Ursachen der Katastrophe spaltet seit vier Jahren Polen. Laut Tusk haben Familienmitglieder Hunderte solcher Nachrichten bekommen.