Gedenken

„Sie zeigte die grauenvolle Fratze des Krieges“

Trauerfeier für getötete Fotografin Anja Niedringhaus

Unter Anteilnahme von rund 600 Trauernden aus dem In- und Ausland ist die in Afghanistan erschossene deutsche Fotografin Anja Niedringhaus in ihrer westfälischen Heimatstadt Höxter beerdigt worden. Acht Tage nach dem tödlichen Anschlag nahmen Angehörige, Freunde und Kollegen in einer Trauerfeier in der Abteikirche des Klosters Corvey Abschied von der preisgekrönten Reporterin der US-Nachrichtenagentur Associated Press(AP). Anschließend wurde der mit weißen Frühlingsblumen geschmückte Sarg auf dem städtischen Friedhof beigesetzt.

Die 48-jährige Reporterin war am 4.April in der afghanischen Unruheprovinz Chost nahe der Grenze zu Pakistan von einem Polizisten erschossen worden. Ihre kanadische Kollegin Kathy Gannon, 60, wurde schwer verletzt. Sie wird noch in einer Klinik in Frankfurt/Main behandelt. Niedringhaus sei preisgekrönt nicht nur als Fotografin von Kriegen, sondern auch für ihre „Botschaft der Menschlichkeit“, sagte der in Höxter lebende ehemalige Leiter des UN-Umweltprogramms Unep, Klaus Töpfer, in einer Ansprache. Sie habe in ihren Bildern die „grauenvolle Fratze des Hasses und Krieges“ gezeigt, aber auch Mitleid und Hoffnung. Töpfer zitierte Worte der getöteten Fotografin: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“ Die AP-Chefredakteurin Kathleen Carroll erinnerte daran, dass Niedringhaus immer großes Mitgefühl für Menschen gezeigt sowie Mut und Hoffnung verbreitet habe. „Ich bin stolz auf Dich“, sagte Carroll. Niedringhaus und Gannon hatten in Afghanistan in einem der Wagen eines gesicherten Wahlkonvois gesessen und auf die Weiterfahrt gewartet, als der Polizist sie angriff. Er war nach Behördenangaben der Kommandeur eines Polizeikontrollpunkts. Als Motiv habe er Rache für Nato-Luftangriffe auf sein Dorf angegeben.