Interview

„Mein Hund ist sehr lieb – so wie ich“

Bayerns Finanzminister Markus Söder über sein Image, Angela Merkel und seinen Labrador

Ursprünglich wollte sich Markus Söder mit uns zum Schwimmen treffen. Doch das klappte nicht. Für Sport hat Bayerns Finanzminister wenig Zeit. Zum schließlich vereinbarten Spaziergang mit Hund daheim am Wöhrder See in Nürnberg kam der Ex-CSU-Generalsekretär dann doch allein. Sein schwarzes Labradorweibchen ließ Söder zu Hause. An einem der ersten richtig schönen Frühlingstage zog er die Schuhe aus und stapfte durch den Sand.

Berliner Morgenpost:

Grüß Gott, Herr Söder, Sie sind ja ohne Ihren Hund gekommen. Wo ist er?

Markus Söder:

Daheim. Ich komme direkt von einem politischen Termin, das hätte Fanny ziemlich gelangweilt.

Sie vermasseln den Gesprächseinstieg. Es gibt nämlich etwas, was die Kanzlerin und ich gemeinsam haben.

Was denn?

Wir haben beide Angst vor großen Hunden. Beißt Ihrer?

Nein. Der ist sehr lieb – so wie ich. Wobei ich dazusagen muss, bis zu meiner Ehe hatte ich keinen Hund. Meine Frau hat ihn mit in die Beziehung gebracht. Er war sogar ganz entscheidend für unsere Ehe. Ihr Hund damals war ein scharfer Dalmatiner. Er hatte wohl immer alle Freunde meiner Frau gebissen, die sie mit nach Hause gebracht hat. Ich glaube fast, mein Schwiegervater hatte ihn darauf abgerichtet (lacht).

Und, tat’s weh?

Keine Ahnung, mir nicht. Als ich das erste Mal dort war, war Cliff – so hieß der Hund – begeistert von mir und ich von ihm. So fand ich wahrscheinlich auch den Weg ins Herz meiner Frau. Seit dieser Zeit bin ich absoluter Hundefan. Je größer, desto besser. Derzeit haben wir eine schwarze Labradordame. Fanny heißt sie. Hunde sind für mich etwas ganz Besonderes.

Sagen Hundebesitzer nicht immer, dass ihre Hunde nicht beißen?

Ich kenne nur unseren, und der beißt nicht. Fanny ist ein Familienhund. Wir haben ihn bekommen, als unsere Kinder noch sehr klein waren.

Warum haben Sie keine Katze?

Die sind nichts für mich. Der Hund ist ein treues Tier. Vom Wesen her fast ein wenig wie wir Männer. Er will es ein bisschen bequem haben und ist zufrieden, wenn er ordentlich was zu essen kriegt.

Das ist ja ein ganz traditionelles Männerbild.

Wirklich? Unsere Fanny habe ich schon als Welpen aufgenommen. Anfangs konnte sie allein nicht schlafen. Da bin ich extra ins Gästezimmer mit ihr gegangen. Da hat sie dann neben mir geschlafen, in ein T-Shirt von mir eingekuschelt, damit sie sich an meinen Geruch gewöhnt. Nachts hat sie sogar an meinen Finger geknabbert. Und am Anfang habe ich sie auch zum Gassigehen getragen.

Können Sie Hunde erziehen?

Ich glaube, ich bin dafür etwas zu weich.

Sie zu weich? Sie gelten doch als der härteste Hund der bayerischen Landesregierung.

Das sind doch Klischees. Ich mache halt meinen Job richtig. Aber im Grunde bin ich eigentlich friedlich.

Man sagt Hunden ja auch nach, dass sie treudoof sind. Ein guter Hund würde sich für sein Herrchen zerreißen lassen. Ist Gefolgschaft ein Wert an sich?

Freundschaft ist schön. Loyalität ist wichtig. Aber die Treue eines Hundes ist etwas Beeindruckendes. Hunde warten ja zum Teil wochenlang neben toten Familienmitgliedern und rühren kein Essen an. Katzen sind da anders.

Sie haben sich für die CSU aufgerieben. Jung dabei, immer ganz vorn. Wie verstörend ist es dann, wenn der Leitwolf – in Ihrem Fall Ministerpräsident Horst Seehofer – einen öffentlich schlecht behandelt?

In letzter Zeit lobt er mich nur.

Er hat Sie einmal als „von Ehrgeiz zerfressen“ bezeichnet.

Das ist lang her. Und in der Politik darf man keine Heulsuse sein. Sicher, es gab Momente, die mich verletzt haben. Das ist auch zulässig. Aber wenn man sich ausgesprochen hat, muss man nach vorn schauen. Ich bin keine Mimose.

Horst Seehofer hat mal gesagt, er müsse erst nach Franken reisen, um zu sehen, wohin Sie als Finanzminister das ganze bayerische Geld schleusen. Ist das fair?

Er hat halt viel Humor.

Wann konnten Sie nicht folgen?

Ach, in den meisten Fällen konnte ich hier in Bayern alles immer gut mit meinem Gewissen vereinbaren. Am Anfang habe ich als Umweltminister zwei-, dreimal gegen meine Partei gestimmt, als es um das Thema grüne Gentechnik oder den Donau-Ausbau ging. Ich war für eine deutlich ökologischere Position. Anfangs war die nicht mehrheitsfähig. Heute ist sie Beschlusslage der CSU.

Führt Angela Merkel noch die schwarz-rote Koalition in Berlin – oder doch Sigmar Gabriel?

Die Kanzlerin hat sicher die Leine in der Hand. Aber die SPD will ausbüxen.

Das ist eine milde Formulierung. Rente mit 63, Mindestlohn – die SPD zerrt sie doch längst über den Rasen.

Ich bin sehr besorgt, dass die SPD versucht, uns ihre Themen aufzuzwingen. Sie versucht, den Weg nach links vorzubereiten. Wir müssen wirklich aufpassen.

Als Merkel einmal den russischen Präsidenten Wladimir Putin besuchte, ließ er seinen Hund um die ängstliche Kanzlerin schleichen. Haben Sie mehr mit dem Machtmenschen Putin gemeinsam als mit Angela Merkel?

Ich bin nur Markus Söder. An Merkel habe ich immer die Fähigkeit zur Geduld bewundert. Sie ist sicherlich die geduldigste Politikerin. Sie weiß, dass es nicht nur eine Schlagzeile von morgen gibt, sondern auch noch eine von übermorgen.

Angenommen Sie müssten Ihren Hund jemandem für ein paar Tage anvertrauen. Wer wäre Ihnen lieber: Merkel oder Seehofer?

(lacht leise) Ich glaube, Horst Seehofer. Er ist spielerischer. Der versteht mehr Spaß. Und er ist auch nicht so beleidigt, wenn Fanny etwas kaputt beißt.