Kriminalität

Justizminister verbietet heimliche Nacktaufnahmen

Im Kampf gegen Kinderpornografie sieht der Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) ein generelles Verbot unbefugt aufgenommener Nacktbilder vor – nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen. Strafbar werden sollen nach dem Entwurf auch unbefugte bloßstellende Aufnahmen, etwa von Gewaltopfern. Dabei sollen sowohl das Fotografieren und Filmen wie auch das Verbreiten der Bilder bestraft werden. Und zwar unabhängig davon, ob die Fotos und Filme verkauft oder unentgeltlich weitergegeben werden. Maas hatte den Entwurf am Freitag den anderen Ministerien zur Abstimmung zuleiten lassen.

Schon bisher waren unbefugte Aufnahmen innerhalb der Wohnung oder eines besonderen blickgeschützten Bereichs nicht erlaubt (Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs). Die räumliche Einschränkung soll nun aber aufgehoben werden, wenn es um Aufnahmen von Nackten oder bloßstellenden Situationen geht. Die Höchststrafe für die Verbreitung steigt von bis zu einem Jahr auf bis zu drei Jahre Haft. In beiden Fällen gilt: Die Fotos oder Videos müssen heimlich oder gegen den Willen der abgelichteten Person gemacht worden sein. Wer etwa einen Betrunkenen gegen dessen Willen fotografiert, könnte dafür bestraft werden. Wer seine angeheiterten Freunde mit deren Wissen auf einer Party knipst, eher nicht – es sei denn, die Fotos werden weiterverbreitet, obwohl die Freunde dies nicht wollen.

In das bereits bestehende Verbot, kinderpornografische Schriften herzustellen, zu verbreiten oder zu beziehen (Paragraf 184b des Strafgesetzbuchs), hat Maas zudem das sogenannte Posing aufgenommen. Seinem Entwurf zufolge wäre es künftig auch strafbar, nackte Kinder in einer unnatürlich geschlechtsbetonten Körperhaltung zu fotografieren – sofern die Aufnahme unbefugt gemacht wird. Ein Beispiel: Im Internet zeigt ein heimlich oder gegen den Willen eines Mädchens angefertigter Film, wie sich das nackte Kind nach einem Spielzeug bückt. In so einem Fall macht sich der Vertreiber strafbar und muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Ebenfalls strafbar macht sich, wer solche Videos oder Bilder aufnimmt oder sie bezieht.