Umwelt

Fracking-Debatte flammt neu auf

Vor NRW-Kommunalwahl ist die Technologie wieder ein Thema. Auch Bayern diskutiert

Mancherorts enthalten die Gesteine im Untergrund Deutschlands wertvolles Erdgas. Soll die Abhängigkeit von russischem Gas reduziert werden, könnte dieses Schiefergas eine Rolle spielen. Unter hohem Druck injizierte Chemikalien könnten das Gestein zerbröseln und das Gas freisetzen. Doch dieses Fracking ist hoch umstritten. Manche Experten befürchten die Verschmutzung des Grundwassers. Einige Dutzend Bürgerinitiativen vor allem in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Niedersachsen haben den Widerstand organisiert.

Die große Koalition in Berlin verständigte sich darauf, das Thema mit größter Vorsicht zu behandeln. Fracking sei eine „Technologie mit erheblichem Risikopotenzial“, heißt es im Koalitionsvertrag. „Den Einsatz (...) lehnen wir ab.“ Nun hat EU-Kommissar Günther Oettinger einen Fracking-Probebetrieb gefordert. Man solle Wasserwirtschaftlern, Anlagenbauern und Geologen „Demonstrationsprojekte ermöglichen“, so Oettinger kürzlich im Gespräch mit der Morgenpost. Man könne eventuell den Nachweis führen, dass Fracking ökologisch vertretbar ist.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke aus Gelsenkirchen schloss sich diesem Gedanken nun an, und plötzlich ist Fracking ein Wahlkampfthema – Ende Mai steht in NRW die Kommunalwahl an. „Ein Fracking-Versuch ist für Nordrhein-Westfalen kein Thema“, beeilt sich CDU-Landeschef Armin Laschet in der „Rheinischen Post“ klarzustellen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist derselben Meinung.

Die FDP unterstützt Oettingers Idee: Eine wissenschaftliche Pilotanlage könne Erkenntnisse liefern, um Chancen und Risiken abzuwägen. Auch in Bayern ist Fracking wieder ein Thema. Ludwig Hartmann, Grünen-Fraktionschef im Landtag, wirft der Staatsregierung vor, sie bereite klammheimlich den Boden für die umstrittene Technologie. Denn er hat in Erfahrung gebracht, dass das Wirtschaftsministerium im Januar eine geologische Erkundung in der Oberpfalz genehmigt hat.

Hartmann wirft der Staatsregierung vor, „dass die Menschen in Bayern für dumm verkauft werden“. Denn bisher hatte Umweltminister Marcel Huber (CSU) Fracking unmissverständlich abgelehnt. Mit der Zusage der geologischen Erkundung durch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) entpuppten sich diese Beteuerungen „als heiße Luft“. Die Ministerin reagiert mit scharfen Angriffen. In Bayern werde es auch in Zukunft kein Fracking geben. Aigner ist offenkundig bemüht, die Verunsicherung zu dämpfen.