Bundesregierung

Krim-Krise führt zur Wende bei der Energiewende

Die Bundeskanzlerin sprach den Satz der Woche an der Seite des kanadischen Ministerpräsidenten.

Stephen Harper war nach Berlin gekommen, um für Öl und Gas aus seiner Heimat zu werben. „Es wird eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik geben“, kündigte Angela Merkel (CDU) an. Sie will erreichen, dass Deutschland seine Abhängigkeit von russischen Energielieferungen reduziert – eine Konsequenz aus der Aggression auf der Krim.

Dass Merkel die Energiepolitik komplett überdenken will, irritiert den sozialdemokratischen Koalitionspartner. „Ich gehe davon aus, dass die Bundeskanzlerin uns erklären wird, was sie konkret damit meint“, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft der Morgenpost. „Denn wir befinden uns mit der Energiewende ja gerade in einer grundlegenden Veränderung des Energiemix in Richtung der erneuerbaren Energien.“ In der kommenden Woche trifft sich Merkel mit den Ministerpräsidenten zu einem Energiegipfel.

Peter Ramsauer, der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, fürchtet um die russischen Lieferungen, sollte sich die Krim-Krise verschärfen. Wenn man dem Kreml mit Wirtschaftssanktionen drohe, „kann man nicht ausschließen, dass Moskau sich beim Erdgas revanchiert“. Ramsauer forderte, die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten zu verringern. Wenn die Kanzlerin jetzt auf Einfuhren aus Nordamerika setze, sei das „ein klares Ja zur Schiefergasförderung“. Dann aber stelle sich die Frage, „warum wir nicht gleich auf heimische Ressourcen setzen“, sagte der CSU-Vizevorsitzende. „Wenn Schiefergas Gift wäre, dürfte man es auch nicht aus anderen Ländern beziehen.“ Um Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu gewährleisten, müsse sich Deutschland „die Fracking-Option dringend offenhalten“, sagte Ramsauer.

Bei der Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst, um Gestein aufzuspalten und darin enthaltenes Erdgas zu fördern. Die Technologie ist vor allem deshalb umstritten, weil die eingesetzten Chemikalien das Trinkwasser verschmutzen könnten.