Leitlinien

Quote verfehlt

30 Prozent weibliche Aufsichtsräte will die Regierung – das schafft sie oft nicht mal selbst

Manuela Schwesig ließ keinen Zweifel: „Die Frauenquote kommt.“ Am Dienstag legte die Familienministerin gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas (beide SPD) die Leitlinien für ein Gesetz zur Erhöhung des Frauenanteils vor. Bei der Vorstellung betonte Maas, das Argument, es mangele an ausreichend qualifizierten Frauen für Aufsichtsratsposten und andere Führungspositionen, sei Unsinn: „Das ist definitiv nicht so.“ Bis 2015 sollen die Leitlinien, die viele konkrete Vorschläge beinhalten, zum Gesetz werden.

Erstaunlich vage wurde Maas allerdings bei der Frage, wie es denn im eigenen Ministerium aussähe. Bei den Abteilungsleitern habe man das Verhältnis von 1:5 auf 2:5 erhöht: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Die Berliner Morgenpost hat nachgeforscht: Tatsächlich schneidet Maas’ eigenes Haus im Vergleich der Ministerien schlecht ab. Zählt man alle Führungsebenen zusammen (Staatssekretäre, Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter, Referatsleiter), so liegt das Justizministerium bei 26,1 Prozent und damit unter der 30-Prozent-Marke.

Die soll laut Gesetzesvorhaben ab dem 1. Januar 2016 für die Aufsichtsräte jener Unternehmen gelten, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind. Insgesamt verfehlen fünf von 13 Ministerien die Zielmarke. Das ergaben eine Umfrage bei den insgesamt 14 Bundesministerien sowie eigene Berechnungen, für ein Ministerium waren keine Angaben erhältlich.

Im Justizministerium sieht es auch auf der Ebene der Staatssekretäre nicht besonders gut aus: Hier hat Maas anders als seine Vorgängerin vier Staatssekretäre, weil er thematisch den Verbraucherschutz vom Landwirtschaftsministerium geerbt hat. Unter ihnen sind drei Männer und nur eine Frau. Unter Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte es einen Mann, den inzwischen verstorbenen Max Stadler, und eine Frau, Birgit Grundmann, gegeben. Rechnet man den Minister beziehungsweise die Ministerin dazu, so stand es beim Geschlechterverhältnis zu Zeiten von Leutheusser-Schnarrenberger 2:1 für die Frauen, bei Maas jetzt 4:1 für die Männer. Das ist umso bemerkenswerter, als sich Maas selbst einmal explizit als Frauenförderer beschrieb. Im Sinne der Quote sei er persönlich ein „Rückschlag“, weil er der erste männliche Justizminister seit 15 Jahren sei, hatte Maas zu Beginn seiner Amtszeit gescherzt.

Schlusslicht Finanzministerium

Trösten kann er sich lediglich damit, dass es in anderen Ministerien noch düsterer aussieht. Das Auswärtige Amt bringt es gerade einmal auf einen Frauenanteil von 20,8 Prozent in seinen Führungspositionen, das Verkehrsministerium auch nur auf 23,9 Prozent. Schlusslicht ist das Finanzministerium mit einem Frauenanteil in Führungspositionen von 18,9 Prozent. Dass es sich bei Finanzen und Verkehr um klassische Männerdomänen handelt, taugt als Erklärung nur bedingt. Das zeigt sich, wenn man einen Blick auf die andere Seite der Skala wirft. So ist im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – auch nicht zwingend ein klassisches „Frauenthema“ in der Politik – fast die Hälfte aller Führungspositionen (45,3 Prozent ohne die Staatssekretäre) mit Frauen besetzt.

Im Gesundheitsministerium sind es 42,3 Prozent. Auch das Haus von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) würde mit 33,9 Prozent die Frauenquote – gäbe es die in den Ministerien – voll erfüllen. Gleiches gilt für die Ressorts Bildung (41,4 Prozent), Umwelt (33,3 Prozent) sowie Ernährung und Landwirtschaft (31 Prozent). Selbst im Bundesinnenministerium, das noch nie von einer Frau geführt wurde, liegt der Anteil der Führungsfrauen noch bei 30,3 Prozent. Das Ministerium von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel liegt derzeit bei 29,1 Prozent Frauen in Führungspositionen. Aus dem Verteidigungsministerium waren keine Angaben erhältlich. Den höchsten Anteil von Frauen in der Führung weist Familienministerin Schwesig vor: In ihrem Haus liegt der Anteil nach Angaben des Ministeriums bei 51,6 Prozent, zu den weiblichen Mitarbeitern zählen zwei Staatssekretärinnen.