Staatsbesuch

Gauck würdigt Südkoreas Präsidentin in Berlin

Berlin erwartete die südkoreanische Präsidentin mit großem Aufwand: die Protokollstrecke in Mitte ist für den zweitägigen Staatsbesuch beflaggt, ganzseitige Anzeigen südkoreanischer Unternehmen in Zeitungen, Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD), Siemens-Chef Joe Kaeser, Teilnehmern der Wirtschaftskonferenz der Mittelstandsvereinigung Koreas und dem deutsch-koreanischen Wirtschaftsforum. Koreaner, die in der Hoffnung auf ein Foto von ihrer Staatschefin am Großen Stern und vor Schloss Bellevue warteten.

Ein wichtiger Termin. Für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft ist Deutschland seit vielen Jahren der wichtigste europäische Handelspartner. Neben den wirtschaftlichen Beziehungen drängte sich am ersten Tag des Besuchs von Koreas Präsidentin Park Geun-hye die angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel in den Vordergrund. Nachdem Gauck Park am Mittwoch mit militärischen Ehren begrüßt hatte, kam sie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen. Beide sprachen unter anderem über die angestrebte Wiedervereinigung Südkoreas mit dem Norden. Es sei „das Ziel und ein Stück weit auch unsere Pflicht“, andere Länder dabei zu unterstützten, wieder ihre nationale Einheit zu erlangen, sagte Merkel.

Auch Gauck begrüßte die Gesprächsbereitschaft Südkoreas gegenüber dem Nachbarn im Norden – und übte scharfe Kritik an der Lage der Menschenrechte dort. Ein UN-Bericht dokumentiere die „unvorstellbare Grausamkeit“ in den zahlreichen Straf- und Umerziehungslagern, sagte Gauck. „Trotz aller Provokationen von nordkoreanischer Seite zeigen Sie beharrlich Dialogbereitschaft – wir sehen das mit Hochachtung“, sagte er. Park fragte nach Gaucks persönlicher Erfahrung mit der deutschen Wiedervereinigung. Das Thema ist für das geteilte Korea von großem Interesse.