Gewalt

Anführer der Ultranationalisten getötet

Unterstützer beschuldigen ukrainische Polizei. Timoschenko will Putin „in den Kopf schießen“

Eine der zweifelhaftesten Figuren des ukrainischen Rechten Sektors, der Nationalist Alexander Musytschko, wurde in der Nacht auf Dienstag in der Stadt Riwne in der Westukraine erschossen. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums wurde er bei der Festnahme tödlich verletzt. Eine Spezialeinheit der ukrainischen Polizei kam kurz vor Mitternacht in ein Restaurant in Riwne, um eine kriminelle Bande festzunehmen, erklärte der stellvertretende ukrainische Innenminister Wladimir Jewdokimow.

Die Mitstreiter und Sympathisanten von Musytschko, der auch den Kampfnamen „Saschko Bily“ („der weiße Saschko“) trägt, verbreiteten eine andere Version der Ereignisse. Als Erster meldete der parteilose Abgeordnete Olexander Donij auf seiner Facebook-Seite seinen Tod. „Zwei Autos haben sein Auto gestoppt, diese Menschen holten ihn raus und setzten ihn in ihr Auto. Danach wurde er auf den Boden geworfen, seine Hände und Beine gefesselt, zwei Schüsse ins Herz“, schrieb er.

Ein Aktivist der nationalistischen Gruppe Rechter Sektor, Jarowslaw Granitny, warf der Polizei vor, Musytschko „ermordet“ zu haben. Gegenüber einer Lokalzeitung in Riwne sagte er, er habe den Körper gesehen, die Kleidung von „Saschko Bily“ sei zerrissen gewesen. Die ersten Fotoaufnahmen vom Tatort zeigen tatsächlich, wie Musytschko auf dem Boden liegt, seine Jacke ist zerrissen. „Diejenigen, die ihn töteten, vergewisserten sich, dass er keine Panzerweste trägt, und schossen ihm ins Herz“, sagte Granitny. Die kremlnahe russische Nachrichtenseite Lifenews veröffentlichte ein Video, in dem zu sehen ist, dass Musytschko in die Brust getroffen wurde.

Alexander Musytschko, ein bulliger Mann von 52 Jahren, war meistens in Camouflage-Uniform und mit Waffen zu sehen. Am Ärmel oder an der Mütze trug er gerne ein schwarz-rotes Abzeichen der rechtsextremen Partei UNSO (Ukrainische Nationale Selbstverteidigung). In den letzten Wochen sorgte er in der Westukraine für Aufruhr. Ende Februar tauchte Musytschko mit einer Kalaschnikow bei der Sitzung des regionalen Parlaments in Riwne auf. „Versucht mal, mir die Waffen wegzunehmen“, sagte er und stellte seine Maschinenpistole demonstrativ auf den Tisch.

Geboren im Ural

Alexander Musytschko wurde in Russland geboren, im Gebiet Perm am Ural-Gebirge. Nach dem Zerfall der Sowjetunion zog er in die Ukraine und war Mitbegründer von mehreren nationalistischen Organisationen. Seinen Namen „Bily“ bekam er in der Zeit des ersten Tschetschenien-Krieges, an dem er 1994 auf der Seite von tschetschenischen Rebellen teilnahm.

Unterdessen sorgt ein vermutlich abgehörtes Telefonat von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko für Wirbel. In dem bei YouTube veröffentlichten Gespräch mit Nestor Schufritsch von der prorussischen Partei der Regionen sagte die Politikerin auf Russisch über Kremlchef Wladimir Putin: „Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen.“

Timoschenko bestätigte bei Twitter die Echtheit des Mitschnitts in weiten Teilen. Eine Passage, wonach sie den Einsatz von Atomwaffen gegen die russische Minderheit in der Ukraine gefordert haben soll, sei allerdings manipuliert worden. Ihre Sprecherin machte den russischen Inlandsgeheimdienst FSB verantwortlich.

Timoschenkos Kandidatur bei der Präsidentenwahl am 25. Mai gilt als wahrscheinlich. Beobachter schlossen nicht aus, dass das abgehörte Gespräch ein Teil ihrer Wahlkampagne ist. Damit wolle sich die 53-Jährige, der immer wieder enge Bande mit Putin nachgesagt werden, als Nationalistin beweisen und im antirussisch geprägten Westen des Landes Stimmen sammeln.