Militär

Nordkorea feuert 30 Kurzstreckenraketen ab

Diktator Kim Jong-un setzt auf drastische Signale

Gut einen Monat nach Beginn der Frühjahrsmanöver der Streitkräfte der USA und Südkoreas hat das nordkoreanische Militär seine Raketentests fortgesetzt. Am frühen Samstagmorgen seien innerhalb weniger Stunden drei Salven mit insgesamt 30 Raketen von kurzer Reichweite an der Ostküste Nordkoreas abgefeuert worden, teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mit. Demnach flogen die Raketen rund 60 Kilometer weit in Richtung offenes Meer.

Das südkoreanische Militär vermutete, dass es sich erneut um Boden-Boden-Raketen der Frog-Serie gehandelt haben könnte, die noch in der Sowjetunion entwickelt wurden. Erst am vergangenen Sonntagabend hatte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben 25 Raketen über das Japanische Meer geschossen. Auch danach hatte es geheißen, es könnten Frog-Raketen gewesen sein. Nordkorea testet zwar regelmäßig Raketen von kurzer Reichweite, doch Südkorea geht davon aus, dass die Armee des Nachbarlandes mit der jüngsten umfangreichen Testreihe auch auf die laufenden Manöver in Südkorea antwortet und Warnsignale aussendet.

Zuletzt hatte Nordkoreas Militär mehrere Scud-Kurzstreckenraketen an der Ostküste mit Reichweiten von mehr als 500 Kilometern gestartet. Auch Mehrfachraketensysteme waren zum Einsatz gekommen. Das Regime des kommunistischen Landes hatte die Raketentests jeweils als Teil von Routineübungen bezeichnet.

Der Weltsicherheitsrat untersagt Nordkorea per Resolution den Start von Raketen „unter Verwendung ballistischer Raketentechnik“. Nordkorea wirft den USA und Südkorea vor, mit ihren jährlichen gemeinsamen Übungen einen Angriff vorzubereiten. Das wird von beiden Ländern bestritten. Die mehrwöchigen gemeinsamen Feldübungen unter dem Namen „Foal Eagle“ sollen bis zum 18. April dauern.

Knapp anderthalb Jahre nach dem letzten offiziellen Treffen wollen Nordkorea und Japan unterdessen Regierungsgespräche wieder aufnehmen. Die beiden Länder hätten ein Treffen für den 30. und 31. März in Peking vereinbart, hatte das japanische Außenministerium am Freitag mitgeteilt. Für Japan ist es dabei ein Hauptanliegen, das Schicksal von mindestens einem Dutzend Japanern aufzuklären, die von Nordkorea in den 1970er- und 80er-Jahren entführt worden sein sollen. Japan und Nordkorea pflegen eigentlich keine diplomatischen Beziehungen.

Die Einigung auf ein Treffen war in dieser Woche bei informellen Gesprächen zwischen japanischen und nordkoreanischen Beamten der Außenministerien in der chinesischen Stadt Shenyang erreicht worden. Sie hatten ein Treffen der Rote-Kreuz-Gesellschaften der beiden Länder begleitet.

Kurze Entspannungsphase

Im November 2012 hatten die letzten offiziellen Gespräche stattgefunden. Die kurze Phase der Entspannung endete, nachdem Nordkorea im Dezember 2012 eine Rakete abgefeuert hatte. Im Jahr 2002 hatte Nordkorea fünf entführten Japanern erlaubt, in ihre Heimat zurückzukehren. Japan geht allerdings davon aus, dass mindestens ein Dutzend weiterer Landsleute gekidnappt wurde, die zurückgeholt werden sollen, falls sie noch leben. Japan hatte Korea 1910 annektiert und musste es 1945 abgeben.. Am Ende des Zweiten Weltkriegs starben dort geschätzte 34.600 japanische Soldaten, Regierungsbeamte und Familienmitglieder an Hunger oder Krankheiten.