Wahlkampf

EU-Kandidaten im TV-Duell

Erst beim dritten Treffen von Juncker und Schulz sind die Grünen dabei

Showdown vor der Europawahl: Die Spitzenkandidaten der größten Fraktionen im Europaparlament – der Konservative Jean-Claude Juncker und der Sozialdemokrat Martin Schulz – werden im Mai dreimal im Fernsehen gegeneinander antreten, davon zwei Mal in Deutschland. Die konservative EVP erwartet, dass Luxemburgs Ex-Ministerpräsident in diesen TV-Duellen gegen Schulz punkten wird.

Mit Sorge beobachten die Konservativen, dass Schulz seit Wochen auf allen Kanälen für sich wirbt. „Er scheint überall gleichzeitig zu sein“, sagt ein EVP-Parteistratege. Am 8. Mai werden Juncker und Schulz im „Duell“ zur besten Sendezeit 20.15 Uhr gegeneinander antreten. Die Sendung wird in Berlin produziert und vom ZDF und vom österreichischen Fernsehen ORF ausgestrahlt. Moderatoren sind ZDF-Chefredakteur Peter Frey und Ingrid Thurnher (ORF). Vier Tage vor der Wahl am 25. Mai treffen Schulz und Juncker dann erneut aufeinander: Am 21. Mai um 21 Uhr diskutieren sie in Hamburg mit 175 Bürgern in der Sendung „Die Wahlarena“, die dann von der ARD gezeigt wird.

Juncker und Schulz kennen sich seit vielen Jahren. Sie mögen einander und teilen viele Auffassungen über Europa. So sind Schulz und Juncker für „mehr Europa“; erst kürzlich forderten beide erneut die Einführung von Euro-Bonds – ein rotes Tuch für die Bundesregierung: Solche gemeinsamen Anleihen aller EU-Staaten würden eine Vergemeinschaftung nationaler Schulden bedeuten. Das verbieten die EU-Verträge. Dennoch weiß Juncker, dass er auf Angriff setzen muss. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte seine Kandidatur als Spitzenkandidat für die Europawahl und für den Chefsessel der EU-Kommission auch unterstützt, weil Juncker Deutsch spricht und darum im Fernsehen und auf Parteiveranstaltungen in Deutschland für die Konservativen gut werben kann.

Die Grünen kritisierten ZDF, ARD und ORF für die Auswahl von nur zwei Spitzenkandidaten; so würden Parteien, die zusammen nahezu die Hälfte der Sitze im kommenden EU-Parlament einnehmen, übergangen, sagte der Co-Chef der europäischen Grünen, Reinhard Bütikofer.

Am 15. Mai dürfen die Grünen mitmachen: Dann überträgt die European Broadcasting Union (EBU) – ein Zusammenschluss von 74 Rundfunkanstalten aus 58 Ländern Europas, Nordafrikas und Vorderasiens – eine TV-Debatte aus Brüssel, an der neben Juncker und Schulz auch der Spitzenkandidat der Liberalen, Guy Verhofstadt, der Chef der griechischen Links-Partei Syriza, Alexis Tsipras, und ein Vertreter der Grünen teilnehmen. Die Sendung wird in Brüssel produziert, die Debatte auf Englisch geführt. Moderatorin ist Monica Maggioni vom italienischen Sender RAI. „Die Sache, die dieser Übertragung am ähnlichsten ist, ist der Eurovision Song Contest“, sagte EBU-Sprecher Ben Stewart. Er erwarte bis zu 100 Millionen Zuschauer.