Ermittlungen

Mutmaßlicher NS-Verbrecher verhaftet

Ein mutmaßlicher NS-Verbrecher, der zur Ermordung zahlreicher Menschen im KZ Auschwitz-Birkenau beigetragen haben soll, ist im Raum Neubrandenburg verhaftet worden.

Nach Recherchen der Staatsanwaltschaft war der heute 93-Jährige im September 1944 als SS-Sanitäter in dem Vernichtungslager tätig. Dadurch habe er den Lagerbetrieb und die Vernichtungsaktion unterstützt, erklärte die Staatsanwaltschaft Schwerin am Dienstag.

In dem Zeitraum seien in Auschwitz-Birkenau acht Gefangenentransporte eingegangen und 1721 Menschen, die als nicht arbeitsfähig eingestuft wurden, in den Gaskammern getötet worden. Die Transporte kamen demnach aus Cadcy (Slowenien), Wien, Westerbork, Lyon, Triest, Berlin, Stutthof (Elsaß) und Kaunas. Der Vorwurf gegen den 93-Jährigen lautet Beihilfe zum Mord in einer Vielzahl von Fällen.

Der Mann streite den gegen ihn erhobenen Tatvorwurf bislang ab, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 93-Jährige sei nach der Durchsuchung seiner Wohnung und einer ärztlichen Untersuchung am Montag in die Justizvollzugsanstalt Bützow gebracht worden. Er war den Ermittlern zufolge von April 1940 bis Kriegsende Angehöriger der Waffen-SS. Die Ermittlungen dauern an. Sie würden prioritär und auf Hochtouren geführt, sagte der Sprecher. Angesichts des hohen Alters des Beschuldigten sei überlegt worden, ihn gegen Auflagen von der Untersuchungshaft zu verschonen. Angesichts der Schwere der Vorwürfe sei dann aber anders entschieden worden. Es bestehe Fluchtgefahr.

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) hatte in den vergangenen Jahren Vorermittlungen gegen rund 50 Verdächtige geführt. Sie waren nach dem Münchner Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk möglich geworden. Dieser war 2011 wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord verurteilt worden, weil er Mitglied der Wachmannschaft des KZ Sobibor war.