Justiz

Uli Hoeneß zur WM hinter Gittern

Staatsanwaltschaft verzichtet auf die Revision. Haftantritt nach Ostern. Neuer Bayern-Präsident soll Karl Hopfner werden

Es war ein ruhiger Montag an der Säbener Straße. Pep Guardiola hatte seinen Stars frei gegeben. Auch sonst war rund um die Geschäftsstelle des FC Bayern München vom Trubel der vergangenen Tage wenig zu spüren. Selbst die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft München II im Fall Uli Hoeneß auf eine Revision verzichtet, kam nicht überraschend und sorgte deshalb kaum für Aufregung. Damit wird das Urteil des Landgerichts München demnächst rechtskräftig und es steht endgültig fest, dass der langjährige Präsident des FC Bayern München bald ins Gefängnis muss. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dies in sechs Wochen der Fall sein wird.

Die Entscheidung des Gerichts sei vertretbar, erläuterte der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Florian Gliwitzky, den Verzicht auf eine Revision. „Die Staatsanwaltschaft soll nur dann Rechtsmittel einlegen, wenn das Strafmaß in einem offensichtlichen Missverhältnis zur Schuld steht. Das war aus unserer Einschätzung nicht der Fall.“ Das Gericht hatte den inzwischen zurückgetretenen Bayern-Boss am vergangenen Donnerstag wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft für den 62-Jährigen gefordert.

Mildes Urteil ohne Widerspruch

Dennoch akzeptiert die Behörde das mildere Urteil von Richter Rupert Heindl jetzt ohne weiteren Widerspruch. Zwar wurden im Laufe der Verhandlung immer neue Millionensummen bekannt, um die Hoeneß den Staat betrogen hatte. Gliwitzky verteidigte aber die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, an der ursprünglichen Anklage festzuhalten. „Ein höherer Betrag ändert am Straftatbestand nichts“, betonte Gliwitzky.

Im Fall einer Revision hätte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Rechtsangelegenheit unter die Lupe nehmen und eine Entscheidung treffen müssen. Das Verfahren hätte sich dann noch lange hinziehen können. Hoeneß hatte bereits am vergangenen Freitag erklärt, dass er die Haftstrafe akzeptiere und gegen das Urteil keine Revision einlegen werde. Bevor Hoeneß seine Haft antritt muss aber noch die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts vorliegen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Hoeneß seine Strafe in rund sechs Wochen antreten muss. In etwa vier Wochen rechnet sie mit der schriftlichen Urteilsbegründung. „Dann werden wir die Vollstreckung einleiten“, sagte ein Sprecher. Außerdem gehe ein Aufnahmeersuchen an die Justizvollzugsanstalt Landsberg, in der Hoeneß seine Strafe absitzen wird. Etwa zwei Wochen dauere es dann in der Regel noch, bis der Verurteilte seine Haftstrafe antreten muss. In Hoeneß’ Fall wäre es dann nach Ostern so weit. Das Champions-League-Finale am 24. Mai in Lissabon wird Hoeneß also voraussichtlich nicht mehr in Freiheit verfolgen können – die Fußballweltmeisterschaft im Sommer schon gar nicht. „Es hängt aber alles davon ab, wie schnell wir die Akten bekommen“, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Neuer Präsident des FC Bayern soll der bisherige Vizechef Karl Hopfner werden. Der Verwaltungsbeirat nominierte den 61-Jährigen nach Hoeneß’ Rücktritt für die Wahl auf einer Mitgliederversammlung am 2. Mai. Hoeneß’ Nachfolger als Aufsichtsratschef der Fußball-AG des Vereins wurde bereits Adidas-Chef Herbert Hainer. Der 59-Jährige, der sich mittelfristig auf einen Abschied aus der Adidas-Chefetage vorbereitet, soll den Bayern-Aufsichtsrat bis auf Weiteres leiten. Adidas ist wie Audi und die Allianz Minderheitsaktionär der Fußballabteilung und einer der größten Sponsoren des Rekordmeisters.

Spekulationen gibt es im Fall Hoeneß genug. Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, fordert deshalb eine Untersuchung der Causa Uli Hoeneß im Hinblick auf eine mögliche Rolle von dessen Klub Bayern München. „Ich würde es begrüßen, wenn der FC Bayern eine unabhängige Kommission von Wirtschaftsprüfern einsetzt, die offenlegt, ob und welche Verquickungen es zwischen dem Fall Hoeneß und dem FC Bayern gibt“, sagte er. Sowohl der Verein als auch Hoeneß betonten immer wieder, der Verein sei nicht in Hoeneß’ Spekulationen verwickelt gewesen. Die Zockerei sei reine Privatsache gewesen.

Viele offene Fragen

Juristisch gesehen ist der Fall nun abgeschlossen. Unklar ist aber nach wie vor, wie genau die unglaublichen Summen von zeitweise mehr als 150 Millionen Euro auf das Schweizer Konto des Ex-Bayern-Bosses kamen. Außerdem entdeckte die zuständige Steuerfahnderin zahlreiche Lücken in den kurzfristig zur Verfügung gestellten und rund 70.000 Seiten umfassenden Steuerunterlagen. Das Gericht nahm in seinem Urteil den für Hoeneß bestmöglichen Fall an. Wie viele Steuern er tatsächlich hinterzogen hat, bleibt unklar.