Widerstand

US-Drohnen über Deutschland

Massive Proteste gegen Übungsmanöver der USA im ganzen Bundesgebiet

Eine Hunter MQ-5B kreist am Himmel. Mit dröhnendem Lärm, knapp über den Baumwipfeln, berichten Bürger später. Vilseck ist sonst ein oberpfälzisches Idyll im Nordosten Bayerns. Die Bürger sind besorgt gewesen, dass die Drohne abstürzen könnte. Diese Angst sei wohl übertrieben, sagt Bürgermeister Hans-Martin Schertl. In seiner Stadt leben rund 6000 Deutsche und 8000 Amerikaner zusammen, das Verhältnis sei gut, seit Jahrzehnten. „Wir leben mit dem Truppenübungsplatz, wir leben von dem Truppenübungsplatz.“ Die Amerikaner schaffen Arbeitsplätze, Millionenumsätze fließen in die lokale Wirtschaft.

Doch Schertl nimmt die Sorgen seiner Bürger ernst und er will beweisen: Wir haben gute Beziehungen zu den Amerikanern, wir sprechen miteinander. Nach dem Vorfall wählt er den kurzen Dienstweg und die Nummer von Brigadegeneral Walter Piatt. Die Sache mit der Drohne sei ein Versehen gewesen, versichert er, die Einheiten werden die Grenzen des Truppenübungsplatzes künftig einhalten, auch wenn für den Luftraum erweiterte Grenzen gültig seien.

Die Übungsflüge mit der Hunter-Drohne sollen nach Wunsch der Amerikaner aber jetzt ausgeweitet werden. „Zum Transport“, wie es heißt, aber, und das wäre ein Novum, sie würden dann erstmals über ziviles deutsches Gebiet steuern. Rund 50 Kilometer Luftlinie zwischen Grafenwöhr und dem südlich gelegenen Hohenfels, über Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach in der Nähe von Nürnberg. Zwischen den beiden Stützpunkten sind auf Antrag der US-Armee zwei Flugkorridore genehmigt worden, im Westen „Whiskey“ und im Osten „Echo“. Drohnen dürfen dort bislang allerdings noch nicht fliegen. Doch das steht möglicherweise kurz bevor.

Dagegen regt sich in der Region immer stärkerer Widerstand. In Ansbach und Auerbach gibt es seit längerem Bürgerinitiativen, die sich vor allem gegen Lärm durch Schüsse und Granaten wehren. In Amberg allerdings formiert sich derzeit eine Bürgerinitiative „Gegen Drohnen in der Oberpfalz“, die Anfang April offiziell gegründet werden soll.

„Es gibt viele Ängste“, sagt Wolfgang Berndt, einer der vier Sprecher der Initiative. Angst vor Ausspähung, vor Flugunfällen (in Sachsen-Anhalt musste kürzlich eine Drohne der Bundeswehr notlanden; sie vermisst nach Angaben des MDR derzeit elf Drohnen vom Typ Luna, 24 seien abgestürzt). Vor allem aber vor fehlender Kontrolle.