„Eine schwere Straftat“

Vier Berliner Steuerberater über den Fall Hoeneß – alle rechnen mit einer Haftstrafe

Helga Sebert: „Ich gehe davon aus, dass es am Donnerstag nicht zu einer Urteilsfindung kommen wird, da sich noch mehrere Aspekte ergeben werden. Ich gehe davon aus, dass die Selbstanzeige nicht vollständig gewesen ist, denn sonst wäre die Höhe der hinterzogenen Steuern im Wesentlichen bekannt gewesen. Die nachträglichen Korrekturen sprechen für eine unvollständige Selbstanzeige. Es ist ohne nähere Kenntnis sachlich problematisch, eine richtige Einschätzung vorzunehmen. Ich rechne mit einer Haftstrafe, da die hinterzogenen Steuern den Rahmen überschreiten, der eine Bewährungsstrafe zulassen könnte. Das soziale Engagement darf nicht gewichtiger als der Tatbestand der Steuerhinterziehung sein.“

Brigitte Märtens: „Ich habe die Verhandlung am Mittwoch auf N24 live verfolgt und bin der Meinung, dass das Gericht nicht umhinkommen wird, Herrn Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Welchen Umfang das haben wird, vermag ich schwer einzuschätzen. Man wird dem Augenmaß der Richter vertrauen müssen. Am Donnerstag sind wir bedeutend schlauer. Es sollte aber in jedem Fall ein Signal sein, dass auch unserem Berufsstand die Arbeit erleichtern wird, die Akzeptanz der steuerlichen Verpflichtungen den Mandanten zu ‚verkaufen‘.“

Sabine Ehlers: „Uli Hoeneß ist ein begnadeter Manager, warum musste er sich und uns das antun? Sollte die strafbefreiende Selbstanzeige nicht wirksam abgegeben worden sein, kann es angesichts der Höhe der hinterzogenen Steuern nur auf ein Gefängnisurteil hinauslaufen, das hoffentlich mit Augenmaß gefällt wird. Schließlich hat er niemanden zusammengeschlagen oder umgebracht. Wo fängt eigentlich die Spielsucht an? Leider haben wir keine wirksame Kontrolle und rechtliche Ahndung von Steuergeldverschwendung. Das ist keine Entschuldigung für Steuerhinterziehung, aber es ist die andere Seite der Medaille.“

Wolfgang Wawro: „Nach dem, was öffentlich bekannt wurde, handelt es sich bei runden 27 Millionen Euro, die hinterzogen wurden, um eine schwere Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren geahndet werden soll. Ein besonders schwerer Fall liegt unter anderem vor, wenn der Täter in großem Ausmaß Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt hat. Aus meiner Sicht sind 27 Millionen Euro ein großes Vergehen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass bei einer Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht zu ziehen sei. Die offenbar verunglückte Selbstanzeige kann unter Umständen strafmildernd gewürdigt werden.“