Überwachung

Snowden ruft Technologie-Szene zur Gegenwehr auf

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat sich per Live-Video beim Technologie-Festival „South by Southwest“ (SXSW) in Austin im US-Staat Texas zu Wort gemeldet.

Tausende Zuschauer in mehreren vollen Sälen verfolgten das Gespräch zwischen dem aus Russland zugeschalteten 30-Jährigen und seinem Anwalt Ben Wizner sowie dem Bürgerrechtler Chris Soghoian, die auf der Bühne saßen. Snowden rief die SXSW-Besucher auf, im Kampf gegen massive Überwachung durch die Geheimdienste mitzuhelfen. „Wir brauchen euch, um das in Ordnung zu bringen“, sagte er.

Seiner Ansicht nach sind den Nachrichtendiensten gerade wegen ihres massenhaften Abhörens der Internet-Kommunikation wichtige Hinweise durch die Lappen gegangen. Die Überwachung des Internetverkehrs produziere Unmengen von Daten, die durchforstet werden müssten. „Dieser Mangel an Schwerpunktsetzung hat dazu geführt, dass wir Hinweise verpasst haben, die wir nicht hätten verpassen sollen“, sagte Snowden. Als Beispiel nannte er den Anschlag auf den Boston Marathon. Hier hätten gezielte Ermittlungen womöglich geholfen, das Attentat zu verhindern.

Die US-Geheimdienste wollen die Überwachung ihrer Mitarbeiter nach den Enthüllungen Snowdens dramatisch verschärfen. Das geplante Kontrollsystem soll Datenbanken – und zwar auch von Privatunternehmen – danach durchleuchten, ob sich Mitarbeiter mit Zugang zu Geheimdokumenten auffällig verhalten. Datenschützer und Gewerkschafter laufen dagegen Sturm.

Neben Whistleblowern sollen so auch mögliche Doppelagenten oder korrupte Mitarbeiter identifiziert werden. Aufbauen soll das neue Überwachungssystem auf ähnlichen Kontrollmechanismen in der Finanz- und Luftfahrtindustrie. Aber vor allem auf einem Modell des Pentagons, das dort bereits seit mehr als zehn Jahren entwickelt wird, wie die Nachrichtenagentur AP von mehreren derzeitigen und ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern erfuhr.