Kommentar

Bekenntnis eines Zockers

Ulf Poschardt über den Prozess gegen den Steuerbetrüger und Fußball-Manager Uli Hoeneß

Uli Hoeneß hat mehrere Millionen Euro Steuern hinterzogen. Der Präsident des FC Bayern legte zu Beginn des Prozesses ein umfangreiches Schuldgeständnis ab. Der Auftritt war das Bekenntnis eines Zockers, der irgendwann den Überblick verloren hat. Hoeneß, der synonym stand für die Erfolgskultur der Bundesrepublik wie der Bundesliga, könnte nun zum Sinnbild für eine maßlos gewordene Geldverliebtheit werden.

Von sich zu behaupten, man sei kein „Sozialschmarotzer“, klingt wie Hohn angesichts der dem Fiskus vorenthaltenen Millionenbeträge. Der erste Verhandlungstag zeigte einen Machtmenschen, der in die verdienstvollen Mühlen des Rechtsstaates geriet und viel von seiner Aura der Unbesiegbarkeit eingebüßt hat. Wie sehr die Menschen vor Gericht allesamt gleich sind, bewiesen zuletzt die zum Teil kafkaesken Verhandlungen im Falle des Ex-Präsidenten Wulff. In München nun steht der Beschuldigte Hoeneß, verwirrt und kleinlaut.

Steuersünden sind kein Kavaliersdelikt, aber die Hysterie um prominente Steuersünder hat etwas von einer Hetzjagd. Die Duldung des Ankaufs von Hehlerware ebenso wie die Hinnahme einer absurd gewordenen Fiskalbürokratie geraten dabei in den Hintergrund. Einem Mächtigen und Reichen wie Hoeneß muss trotz des erschütternden Sündenausmaßes ein fairer Prozess gemacht werden, auch wenn ein Showverfahren gegen „die da oben“ populärer wäre. Einen „Promi-Bonus“ aber darf es auch nicht geben.

Dem ehemaligen Fußball-Weltmeister ist angesichts der Aktenlage nur schwer zu helfen. Die Zahl der Selbstanzeigen ist seit den Durchsuchungen im Hause Hoeneß sprunghaft angestiegen, der Anblick des Fußball-Managers wird noch einige Steuerhinterzieher, die unentdeckt geblieben sind, auf die Pein eines solchen Prozesses hinweisen. Wie weit ihm die Selbstanzeige noch helfen kann, eine Haftstrafe zu vermeiden, darüber wird der Fortgang des Prozesses entscheiden.

Hoeneß hat in seinem Leben viel gespendet, er war die gute Seele des FC Bayern, er gab in Talkshows die moralische Instanz, gern auch ein wenig selbstherrlich. Wie in einer brechtschen Parabel bröckelt nun der moralische Putz an der bürgerlichen Fassade. Schuld daran ist die Gier, die einer der menschlichen Grundtriebe ist. Der Kapitalismus und seine Börsen können süchtig machen. Sie sind ein Reich der Freiheit und damit nur im Vollbesitz der eigenen Verantwortungskräfte zu nutzen. Die hat Hoeneß zu wenig trainiert.