Kirche

Zwei Jobs für hartgesottene Katholiken

Bischofskonferenz und Erzbistum Köln suchen neue Oberhirten – Woelki hat Aussichten

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) trifft sich ab Montag in Münster zu ihrer alljährlichen Frühjahrsvollversammlung. Alle katholischen Orts- und Weihbischöfe Deutschlands sowie der Apostolische Exarch der Ukrainer kommen dabei stets für vier Tage zusammen, um zu besprechen, was so ansteht. Diesmal soll unter anderem über Christenverfolgung, über ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch Minderjähriger sowie die bevorstehende Bischofssynode in Rom beraten werden. Doch die thematische Arbeit interessiert diesmal nur am Rande, denn das Münsteraner Treffen ist ein besonderes: Die Oberhirten wählen am Mittwoch aus ihrer Mitte einen neuen DBK-Vorsitzenden und damit eine Art Chef-Katholiken, das neue Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Und wenn es so weitergeht wie in den letzten Jahren, wird dieses neue Gesicht vor allem als Krisenmanager gefragt sein.

Der bisherige Vorsitzende Robert Zollitsch, emeritierter Erzbischof von Freiburg, tritt nicht mehr an. Ein Blick auf seine sechsjährige Amtszeit dürfte jedem Interessenten auf die Nachfolge klarmachen, worauf man sich bei dem Job einlässt: Zollitsch musste einen Skandal nach dem anderen aushalten, als DBK-Vorsitzender ständig für Themen den Kopf hinhalten, für die er selbst nichts konnte oder die er selbst insgeheim anders sah, als er es vorgibt. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und Berlins Kardinal Rainer Maria Woelki sind derzeit die bekanntesten unter den jüngeren deutschen Oberhirten. Sie hätten das Format und den Ehrgeiz, den Bischöfen vorzusitzen. Allerdings könnte vor allem Marx Opfer seines Erfolgs werden: Er ist vielen in den vergangenen Jahren schlicht zu mächtig geworden, um auch noch DBK-Chef zu werden. Woelki käme als starkes Gegengewicht zu Marx infrage. Allerdings gilt er auch als natürlicher Kandidat für die Nachfolge des zurückgetretenen Kölner Erzbischofs Meisner, der am Sonntag im Kölner Dom mit einer festlichen Messe nach 25 Jahren als Erzbischof in den Ruhestand verabschiedet wurde. Meisner, der 80 Jahre alt ist, war vor einer guten Woche auf eigenen Wunsch vom Papst in den Ruhestand versetzt worden. Als radikaler Abtreibungsgegner hatte Meisner Ende der 90er Jahre gegen den Widerstand liberalerer Bischöfe den Ausstieg der Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung mitbetrieben. Wolki würde als Erzbischof von Köln ebenfalls eine internationale Schlüsselfigur – auch schon ohne DBK-Vorsitz. Denkbar ist daher, dass ein Bischof aus der zweiten Reihe reüssiert.