Schuldenkrise

Gauck in Athen: Griechen müssen Regeln einhalten

Bundespräsident Joachim Gauck ist am Mittwoch von Berlin aus zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Griechenland abgeflogen.

Bei seinen Gesprächen will Gauck die Verantwortlichen in Griechenland ermutigen, den schwierigen Reformkurs zur Überwindung der Schuldenkrise fortzuführen. Im Mittelpunkt seines Programms in Athen steht am Donnerstag eine europapolitische Rede im Akropolis-Museum. Der Bundespräsident wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet.

Gauck wird in Griechenland sehnlich erwartet. Den Deutschen hat man immer etwas zu sagen, möchte es ihnen am liebsten zuschreien, wenn sie sich denn in Sichtweite herbei bequemen: Seit 2008 ist das Land wegen der Euro-Krise auf deutsches Geld angewiesen. Bei vielen Bürgern weckt das Erinnerungen an eine andere, noch viel schlimmere Zeit – den Nationalsozialismus. Auch damals ging es um Geld. Etwa, als die Deutschen die Griechen zwangen, die Kosten für die deutsche Besatzung ihres Landes selbst zu tragen. Und das auf bizarre Weise deutsch-korrekt: in Form eines Zwangskredits. Ähnlich verfuhren andere Besatzungsmächte, die Truppen in Griechenland hielten (Bulgarien und Italien). Diese Länder zahlten diese Summen dann später, nach Kriegsende, irgendwann an Griechenland zurück. Deutschland aber nicht. Das soll sich, so der Wunsch vieler Griechen, ändern.

Gauck wird solchen Forderungen vermutlich eine Absage erteilen, dafür aber Gelder für das deutsch-griechische Jugendwerk sowie einen neuen deutsch-griechischen Zukunftsfonds ankündigen. Gauck äußerte im Interview mit der griechischen Zeitung „Kathimerini“ zwar Verständnis für die Befindlichkeiten, betonte aber auch die Verantwortung der Griechen für ihre jetzige Situation. „Griechenland wird heute aufgefordert, Regeln einzuhalten“, sagte er.