Kirche

Papst Franziskus gesteht heimliche Jugendliebe

Mädchen verdrehte ihm „eine Woche den Kopf“

Papst Franziskus hält nichts von eine Überhöhung seiner Person. Der Franziskaner bleibt sich treu und eher der einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn als ein übermenschlicher Held. Von einer „Papst-Franziskus-Mythologie“ halte er nichts, sagte das katholische Kirchenoberhaupt der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Ihm missfalle „ein gewisser Papst-Franziskus-Mythos“. So werde etwa gesagt, er gehe nachts aus dem Vatikan, um den Obdachlosen Essen zu bringen, dabei sei ihm das „nie in den Sinn gekommen“. Wenn manche ihn „Supermann oder Star“ nennen würden, empfinde er das als beleidigend. „Wenn ich mich nicht irre, war es Sigmund Freud, der sagte, dass in jeder Idealisierung auch eine Aggression steckt“, sagte der Papst in dem Interview. Er sei vielmehr ein „Mann, der lacht, weint, ruhig schläft und Freunde hat wie alle“.

Tatsächlich hat er wohl mehr Freunde als alle anderen Menschen auf Gottes Erdenrund. Insbesondere deshalb, weil er authentisch wirkt. Seine Ehrlichkeit geht so weit, eine stille Jugendliebe zu beichten – für einen amtierenden Papst keine Kleinigkeit. In dem Interview zum bevorstehenden ersten Jahrestag seiner Wahl (seit dem 13. März 2013 ist Franziskus der 266. Papst der römisch-katholischen Kirche) bestätigte Jorge Mario Bergoglio, dass er mit 17 Jahren eine Freundin hatte, die ihm im Seminar „für eine Woche den Kopf verdreht“ habe. Näher wollte der heute 77-Jährige nicht auf seine jugendliche Schwäche eingehen. Aber vielleicht war es diese Erfahrung, die ihn nun zu der Überzeugung kommen lässt, dass Frauen stärker in kirchlichen Leitungsämtern präsent sein sollten. „Die Kirche hat den weiblichen Artikel; sie ist von ihren Ursprüngen her weiblich. Die Jungfrau Maria ist wichtiger als jeder Bischof oder Apostel.“

Der Papst sagte in dem Interview auch, es gefalle ihm, bei den Menschen zu sein, er habe die Gewohnheit, mit ihnen zu telefonieren. „Natürlich ist das jetzt nicht mehr so leicht, weil mir jetzt so viele Leute schreiben.“ Besonders habe ihn der Kontakt zu einer 80 Jahre alten Witwe berührt, die ihren Sohn verloren habe. „Sie schrieb mir. Und jetzt rufe ich sie einmal im Monat an. Sie ist glücklich. Ich mache den Pfarrer.“ Nur Gutes wusste er außerdem über seinen Vorgänger Joseph Ratzinger zu berichten.