Ex-Präsident

Viktor Janukowitsch: „Ich wurde durch niemanden abgesetzt“

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Flucht aus der Ukraine hat Viktor Janukowitsch seinen Anspruch auf das Präsidentenamt bekräftigt – aber auch seine Hilfslosigkeit offenbart.

„Ich wurde von niemandem abgesetzt“, sagte Janukowitsch am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Rostow am Don (Russland). Er wunderte sich zudem, dass der russische Präsident Wladimir Putin schweige. Getroffen habe er den Kreml-Chef noch nicht, so Janukowitsch.

„Ich wurde durch niemanden abgesetzt. Ich wurde durch die unmittelbare Bedrohung meines Lebens und des Lebens meiner Vertrauten zum Verlassen der Ukraine gezwungen“, sagte der 63-Jährige. „Ich werde weiter für die Zukunft der Ukraine kämpfen gegen jene, die Angst und Terror verbreiten wollen“, versicherte Janukowitsch auf Russisch. Sobald seine Sicherheit garantiert sei, werde er zurückkehren.

Seine Absetzung durch das Parlament unter dem Druck wochenlanger Massenproteste der proeuropäischen Opposition bezeichnete er als faschistischen Putsch. „Die Macht in der Ukraine wurde von nationalistischen, profaschistischen jungen Leuten ergriffen, die nur eine absolute Minderheit der ukrainischen Bevölkerung repräsentieren“, sagte Janukowitsch.

Verwunderung über Putin

Angesichts der Kritik unter seinen Anhängern, dass er sie im Stich gelassen habe, entschuldigte sich Janukowitsch. „Ich will mich beim ukrainischen Volk für die Ereignisse entschuldigen und dafür, dass ich nicht die Kraft hatte, die Stabilität zu bewahren.“ Er machte die „unverantwortliche Politik“ des Westens für die Entwicklung verantwortlich.

Der Kreml meldete sich am Freitagabend: Präsident Putin rief dazu auf, eine weitere Eskalation der Situation auf der Krim zu vermeiden. Bei Telefonaten mit westlichen Staatenlenkern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe der russische Präsident betont, dies besitze „absolute Priorität“. Die Ukraine selbst meldete sich in Person des Generalstaatsanwaltes zu Wort: Das Land setze sich für die Auslieferung Janukowitschs aus Russland ein. Er solle wegen der etwa 100 Toten bei den Zusammenstößen in der vergangenen Woche vor Gericht gestellt werden.