Ex-Präsident

Rückkehr eines Strahlemanns

Nicht nur Gatte von Carla Bruni: In Berlin klingt Sarkozy, als wolle er zurück in die Politik

Braun gebrannt und bestens gelaunt, so trat Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy vor die Kameras in Berlin. Kein Zweifel, da genoss einer das Bad in der Menge. Wenige Minuten zuvor hatte der 59-jährige Politik-Pensionär noch bei Angela Merkel im Kanzleramt vorbeigeschaut – auch das offensichtlich ein Termin ganz nach Sarkozys Geschmack, denn schließlich bildeten die beiden bis zur Abwahl des Franzosen im Mai 2012 das europäische Traumduo namens „Merkozy“.

Ob es die Sehnsucht nach der Politik ist, die den Franzosen zu seiner ehemaligen Weggefährtin nach Berlin trieb? Offiziell zumindest war es ein Termin bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die an diesem Freitag das neue Buch ihres Vorsitzenden Hans-Gert Pöttering vorstellte. Zwar kam der Ehrengast aus Frankreich seiner Aufgabe brav nach, eine Lobrede auf Pöttering anzustimmen – aber Sarkozy nutze die Gelegenheit, sich selbst zu bewerben.

In Berlin ging es daher um die großen Linien: Die Herausforderungen für Europa, die Bewältigung der Krise in der Ukraine. Sarkozy sparte nicht mit mahnenden Worten und Ratschlägen, wie man den aktuellen Problemlagen am besten Herr werden sollte. Seine Ex-Kollegen in Europa rief er dazu auf, „endlich Verantwortung zu übernehmen und mit einer Stimme zu sprechen“. Welche Krise er dabei genau im Sinne hatte, verschwieg der Franzose freilich.

„Mehr denn je müssen wir uns für Europa entscheiden“, sagte Sarkozy im Allianz-Forum am Pariser Platz. Statt Lösungen für Probleme zu schaffen, die es nicht gibt, plädiert er für mehr Fokus auf die entscheidenden Fragen. „Ein Europa mit 28 Mitgliedern braucht effiziente Entscheidungsstrukturen“, sagte Sarkozy. Das Publikum dankte es ihm mit einem langen Zwischenapplaus. Sarkozy gab sich besorgt über die Entwicklungen in der Ukraine. Es sei gefährlich, sich in dieser Lage zu verkriechen: „Wir müssen Verantwortung übernehmen und Russland und der Ukraine Vorschläge zur Kooperation machen.“ Doch nichts sei schlimmer als eine unnütze Auseinandersetzung mit Russland, warnte der Franzose.

So redet einer, den die Lust zur politischen Gestaltung in den Fingern juckt. Auch wenn er die eigenen politischen Ambitionen stets dementiert, lesen sich Auftritte wie dieser in Berlin eher wie ein Drängen zurück auf die Bühne. In seiner Heimat wird seit Wochen über ein politisches Comeback von „Sarko“ gemunkelt. Zurzeit begleitet er seine singende Gattin Carla Bruni, 46, auf deren Frankreichtournee. Der Ehemann scheint aber weit mehr im Schilde zu führen. „Nicolas, komm zurück“, brüllen die Fans. Und Sarkozy lässt sich nicht zweimal um ein Foto bitten.