Gesundheit

Kassen gehen gegen Ärztemangel vor

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Claudia Kade

Abkehr von der Einzelpraxis gefordert. Kooperation mehrerer Mediziner sind die Zukunft

Die Lücken klaffen seit Monaten: Auf der Deutschlandkarte der Krankenkassen leuchten die alarmroten Flecken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen, aber auch in Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen. Der Mangel an Hausärzten auf dem Land hält sich hartnäckig. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen fehlen bundesweit rund 2600 Hausarztpraxen, die nach der Bedarfsplanung der Ärzteverbände zur Sicherstellung der Grundversorgung vor allem auf dem Land nötig wären. Außerdem fehlen rund 2000 Facharztpraxen, davon allein 1250 Praxen für Psychotherapeuten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht davon aus, dass sich der Ärztemangel in Zukunft noch weiter verschärft. Grund: Bis 2021 werden bundesweit etwa 51.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand wechseln.

Jetzt gehen die Krankenkassen mit einem neuen Vorstoß in die Offensive, um die Versorgungslücken zu schließen: Sie fordern die Ärzteverbände zum Umbau der Versorgungsstrukturen auf. Die Lösung liegt nach Meinung der Kassen in der Abkehr von der klassischen Einzelpraxis. Stattdessen sollen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, dass Mediziner als Angestellte in Gemeinschaftspraxen gehen können. Damit lassen sich extrem lange Arbeitszeiten für den einzelnen Arzt vermeiden, die gerade auf dem Land durch weite Wege bei den Hausbesuchen entstehen. In einer Gemeinschaftspraxis kann der Zeitaufwand auf mehrere Schultern verteilt werden. Mit der bisherigen Konzentration auf die klassische Einzelarztpraxis und durch die Honorarerhöhungen der Vergangenheit seien die Versorgungslücken nicht geschlossen worden, kritisierte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung. „Wir haben immer mehr Ärzte, die immer mehr Geld verdienen, und trotzdem gibt es für die Patienten teilweise lange Wartezeiten und in wenigen Regionen im hausärztlichen Bereich Versorgungslücken.“

„In der ambulanten Versorgung müssen mehr Kooperationen und mehr Anstellungsmöglichkeiten angeboten werden, damit jungen Ärzten der Weg in die Praxis und aufs Land erleichtert wird“, verlangte Stackelberg. Dabei gehe es auch um Praxiskooperationen zwischen Fach- und Hausärzten. „Hier müssen die Ärzteorganisationen aktiv werden.“ Wie die Mediziner befürchten auch die Kassen eine Ausbreitung des Ärztemangels. Statistiken zufolge sind heute rund 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte Hausärzte.