Studie

Glücksspiel langweilt die Deutschen

Trotz hoher Jackpots verliert Lotto an Reiz. Nur Spielautomaten ziehen neue Kunden an

An neuen Angeboten und spektakulären Gewinnversprechen mangelt es nicht: Im Internet wächst das Glücksspiel- und Wettangebot, und seit knapp zwei Jahren gibt es in Deutschland außerdem neben dem klassischen Lotto auch noch den länderübergreifenden Eurojackpot mit versprochenen Hauptgewinnen von mindestens zehn Millionen Euro. Doch die Deutschen trauen ihrem Glück im Spiel nicht mehr.

Immer mehr Bürger wenden sich von den Glücksspielen ab. Das ergibt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die regelmäßig im Abstand von zwei Jahren das Glücksspielverhalten und die Entwicklung von Spielsucht in Deutschland untersucht. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen der Befragungen wurde 2013 der stärkste Rückgang seit sieben Jahren verzeichnet. So gaben gut 40 Prozent der Befragten zwischen 16und 65 Jahren an, im zurückliegenden Jahr an mindestens einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Damit sank der Anteil der gelegentlich oder gewohnheitsmäßig Spielenden erstmals seit 2007 unter die Marke von 50 Prozent. Besonders deutlich ging demnach das Interesse an Klassenlotterien und an der Glücksspirale zurück – aber auch das klassische Lotto „6 aus 49“ verbuchte einen Rückgang. Nur noch etwa jeder vierte Bundesbürger spielte 2013 Lotto.

Eine Ausnahme sind aber die Geldspielautomaten: Hier stieg die Quote der Glücksspieler seit 2007 schrittweise auf jetzt knapp vier Prozent an. Besonders rasant wuchs der Kundenstamm unter den jungen Männern: In der Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen vervierfachte sich die Quote seit 2007, inzwischen spielt fast jeder Vierte aus dieser Gruppe am Spielautomaten. Bei den 21- bis 25-Jährigen verdoppelte sich der Anteil der Automatenspieler seit 2007, hier versucht mittlerweile jeder Achte sein Glück am Geldspielautomaten.

Das ist heikel: Der Studie zufolge finden sich gerade unter den Automatenspielern besonders häufig sogenannte Problemspieler, die als spielsüchtig gelten oder durch das regelmäßige Glücksspiel Schwierigkeiten im Alltag haben – wie beispielsweise Geldsorgen. Am stärksten betroffen ist die Gruppe der 18- bis 20-jährigen Männer, von denen gut neun Prozent „Problemspieler“ sind. Die Geldspielautomatenindustrie in Deutschland erzielte zuletzt Jahresumsätze von mehreren Milliarden Euro.

Um die Spielsucht einzudämmen, haben die Bundesländer Einschränkungen vorgenommen. Berlin beschloss im Mai 2011 als erstes Bundesland ein Gesetz mit strengen Auflagen. Doch viele Betreiber halten sich nicht an die Vorschriften. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres stellten die Ermittler 1492 Verstöße gegen das Spielhallengesetz und die Spielverordnung fest.