Bericht

„Wir akzeptieren nicht länger Blutvergießen“

Oppositioneller spricht in Berlin über seine Entführung in der Ukraine

Gewalt und andauernde Folter: Der ukrainische Oppositionelle Dimitri Bulatow hat bei einem Besuch in Berlin die näheren Umstände seiner mutmaßlichen Entführung geschildert und über die Ziele seiner Deutschlandreise gesprochen. Auf einer Pressekonferenz im Mauermuseum am ehemaligen Checkpoint Charlie sagte der Gründer der Auto-Maidan-Bewegung am Sonnabend: „Ich bin in Deutschland, um in erster Linie meinem Land zu nutzen.“ In mehreren Gesprächen werde er mit deutschen und europäischen Politikern über mögliche Sanktionen gegen die ukrainische Regierung diskutieren sowie über Wege, wie die Menschenrechte in der Ukraine geschützt werden könnten.

Über seine mutmaßliche Entführung Ende Januar sagte der Regierungsgegner: „Ich habe während meiner Gefangenschaft immer wieder Schläge auf den Kopf bekommen, sie haben mir Nägel durch meine Hände geschlagen und mich sogar auf ein Brett genagelt.“ Seine Entführer seien Profis mit russischem Akzent gewesen, die nur an der vermeintlichen Rolle der USA bei den ukrainischen Protesten interessiert gewesen seien. „Immer wieder fragten sie mich, ob ich ein Spion der USA sei, ob ich Befehle und Geld von dort bekommen habe“, sagte Bulatow. Er habe zwar zugegeben, ein US-Spion zu sein, jedoch sei dieses Geständnis unter der andauernden Folter zustande gekommen und entspreche nicht der Wahrheit. Behauptungen der ukrainischen Machthaber, seine Entführung sei von der Opposition nur inszeniert gewesen, um die Proteste anzuheizen, wies Bulatow als „Dummheit“ zurück. Man solle sich nur einmal seinen Gesundheitszustand vergegenwärtigen, um zu verstehen, was diese Frage in ihm auslöse. „Es ist sehr schwer für mich, diese Pressekonferenz überhaupt abzuhalten, ich schaffe das nur mithilfe von Medikamenten“, sagte der Oppositionelle. Er werde noch sehr lange brauchen, um wieder gesund zu werden.

Bulatow wurde bekannt als Gründer der Auto-Maidan-Proteste, bei denen per Auto Bürger für die Demos auf dem Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, gewonnen wurden. „Wir sind eine Gruppe von Menschen, die nicht länger Blutvergießen und Gewalt akzeptiert. Auto-Maidan ist keine politische Partei, sondern eine gesellschaftliche Bewegung“, sagte Bulatow. Er sprach auch über die Aussichten einer möglichen Einigung mit der amtierenden Regierung. „Menschenrechte existieren nicht in meinem Land. Den Machthabern glaube ich gar nichts, was die Erfüllung unserer Forderungen anbelangt.“ Zu Kompromissen sei man nicht bereit, da man auch nichts falsch gemacht, sondern nur seine Rechte verteidigt habe.

Beim geplanten Treffen von Oppositionsführer Vitali Klitschko mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag werde Bulatow nicht anwesend sein. Dafür werde er sich an jenem Tag mit namentlich nicht genannten Politikern im Auswärtigen Amt treffen. Dann wolle er noch seinen Vater, seine Großmutter sowie weitere Verwandte besuchen, die in Deutschland wohnen.