Deutschland-Besuch

Kauder fordert von Erdogan religiöse Toleranz

Türkischer Ministerpräsident spricht heute im Tempodrom

Der bevorstehende Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland hat eine Debatte über die Rolle von Religion in beiden Ländern ausgelöst. Unions-Fraktionschef Volker Kauder forderte Erdogan zu einem Bekenntnis zu religiöser Toleranz auf. „Erdogan könnte hier einmal ein deutliches Bekenntnis zur Religionsfreiheit in der Türkei ablegen. Denn er will ja mit der Türkei auch nach Europa“, zitiert Spiegel Online am Montag den CDU-Politiker. Kauder gilt als Kritiker eines EU-Beitritts der Türkei.

Ministerpräsident Erdogan wird am Dienstag zu einem Meinungsaustausch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Berliner Kanzleramt erwartet. Anschließend will der Politiker im Berliner Tempodrom vor 4000 vornehmlich türkischen Besuchern sprechen (18 Uhr). Weitere Zuschauer können die Rede auf Leinwänden vor dem Gebäude verfolgen. Türkische Sender übertragen live. Die Veranstaltung trägt den Titel: „Berlin trifft den großen Meister.“ Organisiert wird der Auftritt von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in Köln, die der Regierungspartei AKP des islamisch-konservativen Regierungschefs nahe steht. Für 13 Uhr haben Erdogan-Gegner, darunter die Alevitische Gemeinde Deutschlands, zur Großkundgebung am Brandenburger Tor aufgerufen.

Anlass sind die Kommunalwahlen am 30. März sowie die Wahl des Präsidenten, über die erstmals die Bevölkerung direkt befindet – einschließlich der im Ausland lebenden Türken. Mit einem ähnlichen Auftritt in Köln hatte Erdogan 2008 für eine heftige Debatte zum Thema Integration gesorgt. Damals warnte er die rund drei Millionen Deutsch-Türken davor, sich zu assimilieren. Unterdessen kritisierte die türkische Regierung den Kölner Kardinal Joachim Meisner wegen dessen Äußerungen über christliche und muslimische Familien. Kein Mensch sei mehr wert als der andere, sagte der für Auslandstürken zuständige Minister Emrullah Isler.