Kirche

Kinderreichtum: Kardinal Meisner provoziert Muslime

Kölner Geistlicher bedauert „unglückliche Wortwahl“

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit einer Äußerung über Muslime Empörung ausgelöst. Vor Vertretern einer konservativen katholischen Bewegung, die für ihren Kinderreichtum bekannt ist, sagte er: „Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Muslimische Organisationen reagierten auf diese Bemerkung ebenso fassungslos wie Politiker von SPD und Grünen.

Meisner bedauerte am Mittwoch in einer Stellungnahme, dass seine Äußerung Irritationen ausgelöst habe. „Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten“, versicherte er. „Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich. (...) Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben.“ Tatsächlich hat Meisner in der Vergangenheit mehrfach beklagt, dass selbst Katholiken heute zu wenige Kinder bekämen – sie könnten sich ein Beispiel an vielen muslimischen Familien nehmen. Nun lobte er vor Vertretern des konservativen „Neokatechumenalen Weges“ „die Glaubenskraft von Eheleuten, die zehn Kinder in die Welt setzen“.

Ende der Amtszeit

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, er vermute, dass sich Meisner „mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang“ sichern wolle. Kardinal Meisner wurde am 25. Dezember 2013 80 Jahre alt. Sein Wahlrecht beim nächsten Konklave hat er damit verloren. In den kommenden Wochen wird mit der offiziellen Annahme seines Rücktrittsgesuchs in seinem Kölner Amt durch Papst Franziskus gerechnet.

Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte in einem Interview der Deutschen Welle, Meisner polarisiere mit seinen Äußerungen. „Wir brauchen Brückenbauer und keine Polarisierer.“ Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) zeigte sich „sehr enttäuscht, dass ein führender Repräsentant der katholischen Kirche Menschen unterschiedlichen Glaubens gegeneinander ausspielt“. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) teilte der dpa mit: „Eine abgestufte Wertigkeit von Familien und damit von Kindern je nach Herkunft oder Religionszugehörigkeit verstößt nicht nur gegen unsere Verfassung, sie ist auch alles andere als christlich. Kardinal Meisner wäre gut beraten, eine Klarstellung seiner verunglückten Aussagen vorzunehmen.“

Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen, Sven Lehmann, meinte, Köln könne aufatmen, wenn Meisners Amtszeit nun endlich ablaufe. Er passe einfach nicht „zu einer Metropole der Vielfalt“. Tatsächlich hatte das Erzbistum im Dezember sogar selbst „eine starke Differenz zwischen kirchlicher Lehre und dem Leben der Katholiken“ eingeräumt. Auch praktizierende Katholiken können sich in Meisners Ansichten demnach nicht mehr wiederfinden. Man darf deshalb annehmen, dass das noch für Februar erwartete Ende seiner 25-jährigen Amtszeit auch im eigenen Lager eher mit Erleichterung als mit Bedauern aufgenommen werden wird.